Grappas Gespür für Schnee.
Roman von Gabriella Wollenhaupt (2009, Grafit-Verlag).
Besprechung von Jochen Vogt in der WAZ, März 2010:

Gute Aussichten für die Bierstadt
Der 19. Fall für Maria Grappa

Seit 16 Jahren verfasst Gabrielle Wollenhaupt, alltags TV-Redakteurin in Dortmund, nun schon ihre Krimis um Maria Grappa, die spürnasige und rothaarige Kollegin von der Zeitung. In der Politik wären das volle vier Wahlperioden, und es ist sicher nicht despektierlich, wenn wir Frau Wollenhaupt zum "Urgestein des Ruhrgebietskrimis" rechnen.

Die beiden haben seit langem eine treue, vorwiegende weibliche Leserschaft, in erster Linie weil Grappa mit ihrer Courage, ihren gelegentlichen Gewichtsproblemen und ausreichend Haaren auf den Zähnen ein prima Rollenmodell für die selbstbewusst-berufstätige Frau von heute abgibt. Die Bindungsfähigkeit, die sie sich selbst attestiert, sorgt im übrigen dafür, dass immer wieder andere Männer ihren Weg kreuzen. Jetzt also der neue Kripochef namens Kleist (ja, eigentlich: von Kleist) - so was von attraktiv, wenn auch selbst ein bisschen bindungsscheu! Aber das kann ja noch werden.

Warum auch wir Männer Wollenhaupt & Grappa die Treue halten, ist nicht ganz so einfach zu erklären, weil man an ihren Fällen schon dies und jenes bemäkeln kann. Warum muss Dortmund "Bierstadt" heißen? Aber tatsächlich geht es Wollenhaupt, wenn man genauer hinsieht, gar nicht so sehr um das Unverwechselbare an unserer Region. Sie schwankt immer wieder zwischen ziemlich platten Stereotypen, vor allem wenn es um die Menschen hierzulande geht, die sie peinlicherweise "Ruhries" nennt, und grotesker Überdrehtheit, besonders wenn sie die Kommunalpolitik ins Visier nimmt.

Zum Beispiel in diesem, immerhin schon Grappas 19. Fall: Dass der Anführer der Mehrheitsfraktion im Stadtrat korrupt und intrigant ist, gehört zum politischen Grundwissen, dass er "Mobby Madig" heißen muss, kann notfalls als Satire durchgehen. Aber dass die Führungselite der Kommunalpolitik sich zur Nacht, mit Kokain und geleasten jungen Damen, ausgerechnet im Rathaus amüsieren soll? Dat gibbetdochnich!

Doch die Bösen werden gefasst oder mindestens identifiziert, und am Schluss kommt es sogar zu Neuwahlen. Wenn das keine schönen Aussichten sind für Dortmund, pardon: für Bierstadt!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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