Gott schmiert keine Stullen.
Prosa von Eva Kurowski (2012, Rowohlt).
Besprechung von Thomas Becker in der WAZ vom 24.3.2012:

Zwischen Lenin und Leberwurst
Die Sängerin Eva Kurowski erzählt mit Witz und Anekdoten von ihrer Jugend im Revier der 70er-Jahre in „Gott schmiert keine Stullen – Eine Kindheit zwischen Lenin, Jazz und Leberwurst“.

Als die Zechen und Eisenhütten noch qualmten und die Menschen so grau wirkten wie der verstaubte Himmel über dem Ruhrgebiet, da entdeckte in Oberhausen-Osterfeld die kleine Eva Kurowski die Welt. Es ist die 1965 geborene Tochter des Jazz-Musikers und Kommunisten Walter „Kuro“ Kurowski, die später nicht nur eine gute Sängerin werden sollte, sondern die auch eine begabte Erzählerin ist. „Gott schmiert keine Stullen“ lautet der Titel ihres Buches, das jetzt erweitert und überarbeitet bei Rowohlt erschienen ist, nachdem es bereits 2008 in einem kleineren Verlag herausgegeben worden war.

Auch wenn Eva Kurowski keineswegs mit der Edelfeder große Prosa schreibt, so ist es ihr dennoch gelungen, eine sehr lesenswerte Geschichte über ihr Leben zu erzählen, das ihr als Künstlerkind ganz besondere Momente schenkte. Das mit einem Lob ihres Freundes und langjährigen Förderers Helge Schneider auf dem Cover geadelte Werk hat seine Stärken in den Erinnerungen an eine Zeit, als auch im Ruhrgebiet die Jugend eine neue Kultur und eine freiere Gesellschaft wollte.

Evas Vater „Kuro“, der als Musiker und Karikaturist für linke Magazine Popularität genoss und der mit Helge Schneider und Fasia Jansen im Eisenheimer „Blue Note“ und auf den UZ-Festen spielte, nahm seine Tochter mit in seine Konzerte und auf seine Partys, auf der außergewöhnliche Leute verkehrten. Stets auf der Linie der linken Theorie, lebte man mit der Familie im proletarischen Milieu Osterfelds und Eisenheims, machte FKK-Urlaub bei den Genossen in Titos Jugoslawien und sang in der guten Stube mit Künstlern aus Kuba die Lieder der internationalen Solidarität.

Abstürze, Pleiten und Wiedergeburten

Eva Kurowskis Bilder sind nicht von philosophischer Erhabenheit. Doch wenn sie die Lehrer an ihrer Duisburger Schule, den betrunkenen Bluesmusiker in ihrem Haus und ihre Abstürze, Pleiten und Wiedergeburten beschreibt, dann schaut sie einer rauen Wirklichkeit ins Auge, die sie ohne Betroffenheit mit einem sehr eigenen Witz erzählt, der wohl auch Helge Schneider und Uwe Lyko (Herbert Knebel) in jungen Jahren imponiert hat. Und wer in den 70ern im westlichen Ruhrgebiet aufwuchs, der darf in Oberhausen auch noch einmal dem „Old Daddy“ oder dem Hasch-Club „Stratosphäre“ einen nostalgischen Besuch abstatten.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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