Gewolltes Blauauge.
Gedichte von Hans Ulrich Prautzsch (2002, Corvinus Presse).
Besprechung von A. J. Weigoni, 2002:

Weit davon entfernt als Preussischer Ikarus abzustürzen verfügt Hans Ulrich Prautsch über eine abgehangene Lässigkeit im Bluesschema. Man mag ihn sich vorstellen, wie er zur blauen Stunde in Cafés und Kneipen sitzt und sich Situationen für spätere Notizen vormerkt. Gesättigt vom Leben kommen diese Gedichte daher. Der Leser begibt sich mit diesem Gedichten an Orte, die von der so genannten Pop-Lyrik nicht aufgesucht wird. Gold findet man bekanntlich im Dreck, und Strassen sind aus Dreck gebaut. Kongenial unterstützt wird der Autor vom Handpressendrucker Hendrik Liersch, dessen Bücher sich wohltuend von der Masse abheben. Der Wertekonsens rund um das Kulturgut Buch hat sich aufgelöst. Zur Weltliteratur zählt nur noch, was sich auf der ganzen Welt verkaufen lässt. Den Buchmarkt beherrschen die Buchproduzenten. Die Buchhandlungen gleichen prächtigen Supermärkten. Die Produkte sehen wertvoll aus, schmecken aber nicht. Das kommt davon, dass immer öfter schlechte Bücher hochgepuscht und gute totgeschwiegen werden. So wie bei der der Corvinus Presse möchte man Lyrik immer präsentiert wissen wollen.

Leseprobe I Buchbestellung 0802 LYRIKwelt © A.J.Weigoni