Gewaltig endet so das Jahr.
Meine Tage mit Georg Trakl von Werner Streletz (2014,
Projekt Verlag).
Besprechung von Jürgen Boebers-Süßmann in der WAZ vom 16.12.2014:

In die Gegenwart zurück geholt

Georg Trakl, der im Ersten Weltkrieg gefallene Dichter, scheint für uns Heutige verloren; seine expressionistischen Gedichte („Grodek“) sind offenbar ein Fall für die Lesebücher der Oberstufe, Zeugnisse der Literaturgeschichte. Der Mann selbst hat uns kaum mehr etwas zu sagen. Oder vielleicht doch?

Ganz sicher sogar, wie das neueste Opus des Bochumer Schriftstellers Werner Streletz belegt. „Gewaltig endet so das Jahr – Meine Tage mit Georg Trakl“ heißt die persönlich gehaltene, gegenwartsbezogene Annäherung an den Dichter, der mit nur 27 Jahren starb.

Das Buch und die CD sind das Ergebnis einer von Streletz konzipierten Literaturreihe, die Konzerte der Bochumer Symphoniker (BoSy) zum Thema Erster Weltkrieg begleiten. Musik der Zeit wurde mit Lyrik von damals konfrontiert, also auch mit jener von Trakl.

Streletz fasst Georg Trakl (1887-1914) als Vorläufer jenes „Clubs 27“ auf, dem Musiker wie Brian Jones, Jim Morrison, Janis Joplin oder Kurt Cobain zu seiner Prominenz verhalfen: verschattet, todessüchtig, nichts auslassend. Aber er blättert keine Biografie auf, vielmehr geht Streletz in assoziativer Verknüpfung über den Umweg seiner Fantasie den Spuren des „dunklen Dichters“ nach. Er versucht in der Möglichkeitsform, diesem ihm offenbar Seelenverwandten zu begegnen und „die grellen Umrisse einer Abendlandschaft als Totenlandschaft“ genauer wahrzunehmen.

Ein Gedankenexperiment, nicht ohne Reiz: Die ferne Stimme Georg Trakls ist uns mit einem Mal näher als die Lesebücher der Oberstufe es nahelegen würden.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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