Gestrandet von Youssuf Amine Elalamy, 2008, KinzelbachGestrandet.
Roman von Youssuf Amine Elalamy (2008,
Verlag Kinzelbach - Übertragung Barbara Gantner)
Besprechung von hu in Neue Züricher Zeitung vom 18.10.2008:

Seltsame Fische

hu. Die Geschichte in Youssouf Amine Elalamys Roman «Gestrandet» (im Original 2000 erschienen) ist so einfach wie eine Zeitungsmeldung: Zwölf Männer und eine Frau versuchen auf einem Fischerboot vom nordmarokkanischen Dorf Bnidar aus heimlich die spanische Küste zu erreichen. Wind kommt auf, das Boot kentert. Tage danach liegen die Leichen wie «seltsame Fische» am Strand. Der Roman, für den der 1961 geborene Autor den Prix Grand Atlas Maroc erhielt, macht diese Geschichte jedoch zu einer konkreten, berührenden Tragödie. In 31 kurzen Passagen erhalten diese Menschen individuelle Gesichter; fassbar werden die Beweggründe der Emigranten und die Trauer der Hinterbliebenen. Die dafür nötige Nähe erreicht der Autor, indem er die Emigranten und die Dorfbewohner selber zu Wort kommen lässt: «Gestrandet» ist ein kunstvoll komponiertes und in einer poetischen Sprache geschriebenes Geflecht von Stimmen, die das äussere Geschehen nur andeuten, sich dafür auf Gefühle, Träume und Enttäuschungen konzentrieren. Kontrastiert werden sie mit dem Fotografen aus der Stadt: Ihm sind die angeschwemmten Körper lediglich Objekte für Aufnahmen, die sich einträglich an die Medien verkaufen lassen.

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