Geschenkt II von Jochen Arlt, 2014, NordParkGeschenkt von Jochen Arlt, 2014, NordParkGeschenkt und Geschenkt II.
Gedichte von Jochen Arlt (2014, NORDPARK Verlag).
Besprechung von Michael Starcke für LYRIKwelt.de, Januar 2015:

In einem Ohr der Blitz/ Und im anderen das Paradies

Es gilt, auf zwei Veröffentlichungen des Dichters Jochen Arlt aufmerksam zu machen, die im NORDPARK VERLAG des verdienstvollen Verlegers Alfred Miersch unter den Titeln „Geschenkt“ und „Geschenkt II“ in gewohnt liebevoller und sorgfältiger Machart und Ausstattung erschienen sind und ausgewählte Gedichte, Prosa und Sprüche beinhalten, im besten Sinne des Wortes ein Geschenk für den Leser.

Noch bevor ich am Ende des zweiten Buches in „Geschenkt II“ Tagebucheintragen des Dichters entdecke, kommen mir seine Gedichte, kurze Erzählungen, poetisch verkürzt, lakonisch, sanft und wehmütig geschrieben, wie welche vor, einem Leben, das in allen Lagen, selbst den bittersten, bejaht wird, ähnlich, das sich jeden Tag vorsetzt, bis zum Ende und darüber hinaus. „Brauche ein ganzes Leben“, sinniert der Dichter, „um richtig sterben zu lernen“.

Bissig kommentiert er sein Erkennen: „Meinem Doppelgänger begegnet im Kaufhof/Warum hatte er’s so eilig.“

Journalist ist der Dichter gewesen, was man, nicht zum Nachteil, seiner Prosa zuweilen, anmerkt, bevor er ins rein literarische Fach gewechselt ist. Er ist ein wunderbarer Beobachter, ein Wanderer zwischen den Welten, der die Natur, speziell sein Zuhause, die Eifel, unnachahmlich beschreiben kann, weil er sich in ihr als Mensch heimisch und geborgen fühlt und ihr Dasein dem Wissen, Mensch zu sein, mit Freude vermittelt: „Momente/ in den Landschaften/ nehme ich mit/ für uns alle.“

Jochen Arlt ist wie alle Dichter ein ewig Suchender, der Einsichten findet und zu formulieren versteht: „Die ewigen Fragen/ verlassener Schneckenhäuser/ an alle Sinne.“

„Es gibt noch viele Geschichten zu erkunden“, weiß er und schenkt sie uns Lesern mit Herzblut und wärmender Anteilnahme: „Als gäbe es/ momentan/ nichts anderes/ auf der Welt“.

„Dichter, “ teilt er uns mit, „sind Zungenblütler und/ Grasen zwischen Elefantenbeinen“.

Wie entschleunigt, kommt es mir vor, ist er in den Landschaften der Natur ebenso unterwegs wie in denen des alltäglichen Lebens, was er auf seine ihm eigene Art, („Mein Recht auf Kauzigkeit“) festhält: „Überhole zwei Wanderer aus dem Fotoalbum“ oder: „Mein halber Stolz/ liegt im Pfandhaus.“

Wir begegnen einem Dichter, der die Sprache zwar nicht neu erfindet, aber bereichert, der sich erinnert, tolerant ist und weise und dessen Formulierungen mich manchmal an chinesische Sprichwörter erinnern: „Der hellgrünen Nachtluft gleich/ hat ein Poem keine Eile“. Oder: „Dauerndes Grienen der Eidechse/ als Spiegel im Klappmesser“.

Seine Verse kommen ohne Punkt, Komma und Strich aus, sammeln Erinnerungen, Eindrücke, Einschnitte, Philosophisches, sind Lebens- und „Heimatkunde“: „Alles hier/ Ist ein Spiegel/ Von Allem.“

Der Dichter ist entsetzt, ehrlich, „stolzer Verlierer“, Liebender, mal melancholisch, mal satirisch, böse und heiter und von seinen Sprüchen „Harald K. meint“ gefällt mir, nicht nur der beklemmenden Aktualität wegen, jener am Besten: „Rache ist/ die eine Möglichkeit/ besser ist das Duldsamsein.“

Besonders angerührt haben mich die Gedichte „Für Monika (1954-2010)“, Widmung und Andenken an seine verstorbene Frau. Und eines dieser Gedichte möchte ich kommentarlos zitieren. Wie alle Gedichte Jochen Arlts spricht es für sich.

„Was bleibt// Du hast mir gezeigt/ was es nicht gibt/ bleibst mein Schatten/ mein Morgenstern/ bist Abendgebet/ und der ferne Berg// Es gibt/ keine/ Vergänglichkeit“.

Egal, ob man die Texte Jochen Arlts schon kennt oder möglicherweise noch nicht, die in den vorgelegten „Die besonderen Hefte“ ausgewählten Gedichte, weitere Gedichte, Prosa, Sprüche, sind nicht „Geschenkt“, wie der Titel implizieren könnte, sondern für alle Literaturinteressierte ein Geschenk, auch zum Verschenken.

Es hilft und beglückt uns Leser und bestätigt den Wahrheitsgehalt der Einlassung des Dichters aufs Schönste: „Wollte nichts verpassen/ Gedichte zurück gelassen// Damit kann ich leben“. Natürlich „Unverwundbar/ flankiert/ von der duldsamen Natur“.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter ]

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