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Generation
Golf zwei.
Roman von Florian
Illies (2003, Blessing).
Besprechung von Jens Dirksen aus der
NRZ vom
18.08.2003:
Noch
ein Golf im Schafspelz
Erfolgsspursuche: Florian Illies
fährt seine Generation wieder zur Inspektion.
Dass man sie eines Tages mal zum Ganztagsgolfen schicken würde, weil sich ein Geburtsjahrgang zwischen 1965 und 1975 als Handicap herausstellen würde, hätte sich die Generation Golf auch nicht träumen lassen. Selbst ihr Erfinder Florian Illies ist nicht mehr Redaktionsleiter bei Frankfurter Sonntags- und allgemeinen Zeitungen. Aber er fühlt sich immer noch wohl im warmen Golfstrom seines Bestseller-Erfolgs und schiebt deshalb in bester Gebrauchthändlermanier "Generation Golf zwei" in die Buchläden. Das erinnert nicht von ungefähr an die Erfolgsverlängerungsrezeptmasche der Kinobranche. Das Buch beruht ja vor allem darauf, dass sich die Generation Golf wie im falschen Film vorkam, als plötzlich nicht die Reifen, sondern die Internet- und Aktienblasen platzten.
Der Griff in den Aschenbecher
Illies´ nunmehr drittes Golf-Buch - seine wasserdünne "Anleitung zum Unschuldigsein" (2001) war ja nur ein Golf im Schafspelz - enthält neben vielen launigen Scherzen und Dönekes im Rückspiegelblick auf den Kavaliersstart einer ganzen Generation eine echte Erkenntnis. Und da wechselt Illies fast mit einer Vollbremsung aus seiner selbstgewissen, selbstironischen Tonspur auf den Standstreifen, als hoffe er auf einen Gelben Engel: "Erst heute wird uns klar, dass wir uns damals alle irrtümlich für Wirtschaftsweise und Durchblicker hielten und den dicken Max markierten. Und wie unerträglich diese Selbstzufriedenheit auf die Älteren gewirkt haben muss." Das wirkt wie ein friedensheischender Griff in den Aschenbecher. Erst recht in Zeiten, da der dicke Max längst unter dem Namen Missfelder durchs nationale Dorf getrieben wird und der Golf- von einem Generationenkrieg abgelöst worden ist.Aber keine Sorge, diese Sätze sind bei Illies eigentlich nur eine Verständniswerbe-Unterbrechung in einer 256 Seiten langen Zeitungskolumne, die in jeder Hinsicht flott geschrieben wirkt. Streckenweise wirft sie den Gutelaune-Turbo an und kommt immer dann am besten in Fahrt, wenn sie durchdreht - wie bei der Vorstellung, Christos Muse Jeanne-Claude habe sich während der Reichstagsverhüllung so verschnürt, dass sie sich erst drei Jahre später wieder befreien konnte und seitdem als Heidemarie Wieczoreck-Zeul verkleidet das Bundesentwicklungshilfeministerium leitet.
Man fragt sich allerdings, was Illies nur gemacht hätte, wenn seine so gut abgefederte Generation nicht so bös vom Schlagloch des deutschen Arbeitsrechts erwischt worden wäre, das "Sozialauswahl" genannt wird. Er hätte womöglich vor dem Nichts gestanden. Jedenfalls bei der Suche nach einem Thema, das ihm helfen könnte, den mit einer Million Mark dotierten und auf das Jahr 2001 datierten Vorab-Vertrag mit seinem Verlag endlich zu Buche schlagen zu lassen. Dessen Platzierungen in den Bestsellerlisten sehen allerdings eher so aus, als gehe das große Blasenplatzen mit einem leisen "Pfft" zu Ende. (NRZ)
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]
Leseprobe I Buchbestellung 0803 © Neue Ruhr/Rhein Zeitung