Geister in Princeton.
Theaterstück von
Daniel Kehlmann, (2011).
Besprechung von Georg Leyrer im Kurier, Wien, 25.9.2011:
Logisch: Die junge Adele (Swinta Gersthofer), Gödel
(Silberschneider) und Gödel als Kind (David Rauchenberger) bei Gödels Sarg (von
links).
Zeit? Ein Irrglaube. Wie Bahnstationen seien
alle Ereignisse, sagte der österreichische Logiker Kurt Gödel (1906-1978). Auch
wenn man selbst schon daran vorbeigefahren ist, existieren sie weiter. Und wenn
man tot ist, dann fährt die Eisenbahn des Lebens trotzdem noch munter im Kreis.
Chefschaffner Daniel Kehlmann folgt bei seinem ersten Theaterstück einem
dementsprechend eigenwilligen Fahrplan: Gödels Lebensstationen werden im Laufe
des Abends mehrfach angefahren, in unmöglichen Kombinationen zusammengeführt.
Raum und Zeit sind dabei freundlich ignorierte Zaungäste. Schließlich geht es um
Grenzbereiche der Wissenschaft, in denen Zeitreisen nicht mehr unmöglich
erscheinen. Und um einen Ausnahmelogiker, der an Geister glaubte und zuletzt aus
Angst verhungerte.
Klar
Und trotzdem wird es nicht kompliziert. Regisseurin Anna
Badora setzte bei der Uraufführung bedingungslos auf Klarheit, ordnet, erklärt,
entschlüsselt. Damit ja niemand zwischen den freihändigen Zeitsprüngen und den
ortlosen Schauplätzen den Überblick verliert. Denn Gödel im weißen Anzug gibt es
mehrfach auf der farblosen, neutralen Bühne. Und da spielt dann der bereits tote
Gödel (überzeugend: Johannes Silberschneider) auch einmal mit sich selbst als
Kind (ein Riesentalent: David Rauchenberger) im Volksgarten Ball.
Oder Adele Gödel (Steffi Krautz) durchlebt, am Sarg Gödels sitzend, noch einmal
den Moment des Kennenlernes. Während dieselbe Szene im Hintergrund erneut
stattfindet. Oft laufen mehrere Momente in Gödels (dargestellt weiters von Rudi
Widerhofer und Claudius Körber) Leben zugleich ab, getrennt durch eine Glaswand,
eine ebenso simple wie überaus intelligente Idee (Bühne: Raimund Orfeo Voigt):
Auf Knopfdruck wird das Glas undurchsichtig und zieht so Grenzen zwischen Realem
und Irrealem, zwischen hier
und anderswo.
Obwohl
das ja keinen Unterschied macht. Denn Geister gibt es allüberall. Kehlmann
erzählt (wie schon in seinem Bestseller "Die Vermessung der Welt") von großen
Geistern wie Gödel und Einstein. Von - nun ja - toten Geistern, die Gödel im
Wahnsinn mit letztlich ganz gutem Rat zur Seite stehen. Und vom geisterhaften
Hereinbrechen der Nazi-Katastrophe.
Stück "Geister in
Princeton" war ein Auftragswerk der Salzburger Festspiele. Die Uraufführung ging
sich aber nicht aus, es wurde dort nur gelesen.
Regie Intendantin Anna Badora gab sich
bemüht um Klarheit und blieb überaus nah am Text. Mit Sound- und Lichteffekten
schön designte, schmucklose Bühne.
Darsteller Durchwegs gut, zurückgenommen
im Spiel.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]
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