Geister von Stefano Benni, 2001, WagenbachGeister.
Roman von Stefano Benni (2001, Wagenbach).
Besprechung von Susanne Gießen aus der Frankfurter Rundschau, 10.5.2001:

Max und seine Waden 
Stefano Benni stellt seinen satirischen Roman "Geister" vor

Per Anhalter durch die Galaxis ist wirklich ein Dreck gegen eine Fahrt mit Stefano Benni durchs 21. Jahrhundert. Dem Italiener stehen die Haare zu Berge, als er auf dem Podium des Literaturhauses zornig die Geister beschwört, die die Erde retten sollen, weil Menschen und Politiker das nicht mehr hinkriegen. Dass unserem Planeten das letzte Stündchen geschlagen hat, davon ist der Satiriker aus Bologna überzeugt. In seinem neuen Science-Fiction-Roman Geister (Verlag Klaus Wagenbach), aus dem er jetzt im Frankfurter Literaturhaus gelesen hat, geht es auch um die Klimakatastrophe und den Kosovokrieg, bei dem Italien so "mir nichts dir nichts halbherzig" mitgemacht habe.

Benni hasst Halbherzigkeiten, deshalb hat er Bill Clinton alias John Morton Max zur Hauptfigur seiner Politsatire gemacht: Ex-Präsident Clinton kann halbe Kriege führen, halb kiffen und halben Sex haben. Der Präsident Morton Max - ein lächerlich mächtiger Mann mit "zartblond bepelzten Waden" und einem "Mützchen mit Propeller" - ist "fast gänzlich treu", "seufzt demokratisch" und lässt sich selbst dann nicht beim Golfspielen stören, als das mittägliche Erdbeben das "green" erschüttert. Eisberge in der Seine, Mega-Hagelkörner im August, das sei ja alles ganz normal, hatte erst kürzlich die Klimakonferenz in Lutetia beschlossen.

Was Benni nur halb kann, ist komisch sein, wenn es um die kaputte Erde geht. Sein Sarkasmus funktioniert wesentlich besser, wenn es politisch wird: "Neppitalien" heißt das Kapitel, in dem ein Jubiläumskonzert für die Kosovobomben stattfindet und zwei Politiker, Rutalini und Berlanga, um die Macht streiten.

Ja, die Namen kommen einem bekannt vor, aber Benni beteuert, er habe, als er das Buch schrieb, nicht wissen können, dass Francesco Rutelli Kandidat der Linken bei den nächsten Wahlen sein würde. "Benni ist nicht nur Satiriker, sondern auch Prophet", verrät sein Dolmetscher und Übersetzer Hinrich Schmid-Henkel; und tatsächlich hat Benni schon einmal den Walsieg des Medientycoons Silvio Berlusconi vorhergesagt.

Schonungslos zieht Stefano Benni gegen die Globalisierung und die Allmacht der Medien zu Felde und beschwört augenzwinkernd den "Geist von Seattle" - allerdings kann das Publikum wenige Tage vor den Wahlen in Italien nur mit einem Auge darüber lachen. Benni: "Ein Komiker muss ein Ungeheuer sein und wenn ihr mir sagt, dass meine Bücher nett sind, bringe ich euch um." Nein, "carini" sind weder Buch noch Autor, sondern zornig und so überdreht, dass eine saftige Glosse die absurde Welt nicht besser aufs Korn nehmen könnte. Schade nur, dass Bennis Ton simultan übersetzt nur noch halb so gemein ist.

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