Gehe hin und verkünde es vom Berge.
Roman von James Baldwin (2001, rororo - Übertragung Jürgen Manthey).
Besprechung von Jean Grädel in Neue Züricher Zeitung vom 27.02.2002:

35 Jahre - neue Lesart
Jean Grädel liest James Baldwin

Zufällig war ich 1965 in einer Vorstellung einer schwarzen Truppe aus New York, die im Schauspielhaus gastierte mit «The Amen Corner» von James Baldwin. Ich erinnere mich an einen grossen Publikumserfolg und wie ich, aufgewühlt von der Vorstellung, in den nächsten Tagen die Buchhandlungen abgraste nach deutschen Ausgaben von Werken dieses James Baldwin. «Giovannis Zimmer» habe ich so gefunden. Erst 1966 erschien die deutsche Übersetzung seines Erstlingswerkes «Gehe hin und verkünde es vom Berge», geschrieben 1953. Ich hatte das Buch damals in einer Nacht durchgelesen. «Wortmächtiger Protestierer und Kämpfer gegen die Rassendiskriminierung und für die Liebe - ein ganz grosser Schriftsteller! Okt. 1966» steht noch auf dem ersten Blatt des Buches. Ein Anstoss, es heute wieder zu lesen, um herauszufinden, was mich damals so fasziniert hatte.

Damals, das war eine Zeit, in der meine Freunde und ich permanent aufgewühlt waren, dauernd für oder gegen tausend Dinge engagiert und protestierend. Wir wollten alle Ungerechtigkeiten auf der ganzen Welt bekämpfen, vor allem die Rassendiskriminierung in den USA. Martin Luther King und Richard Wright waren unsere Kämpfer für Gerechtigkeit. Persönlich war ich in einer Übergangszeit. Aufgewachsen in einem religiösen Elternhaus, lernte ich im Lehrerseminar kritisches Denken, las abendländische Philosophen, Sartre, Marx, Heidegger und viel Protestliteratur und war irritiert und aufgewühlt von den gesellschaftlichen und politischen Bewegungen. ...Fortsetzung

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