Gefährliche Engel von Laura Lippmann, 2006, Rüten&LoeningGefährliche Engel.
Roman von Laura Lippmann (2006, Rütten & Loening)
Besprechung von Klaus Hübner aus der NRZ vom 22.02.2007:

Ein Paukenschlag in bester Hitchcock-Manier
Laura Lippman setzt mit ihren "Gefährlichen Engeln" ihre spannende Reihe fort.

Kinderseelen, unschuldig wie Engel, erreicht man durch kleine Geschenke. Die erhalten ja sogar im Erwachsenenleben die Freundschaft. Wer aber wie Ronnie Fuller einem anderen Mädchen mitten im Juli das Geburtstagsgeschenk in weihnachtsrotem Papier überreicht, steht mit Engeln auf Kriegsfuß. Ronnies Geschenk ist zu allem Überfluss auch noch eine Barbie, eine schwarze Barbie. Ronnie ist auch schwarz und die Beschenkte ist weiß, elf Jahr alt und - für andere - dem Barbie-Alter längst entwachsen. Dieser Vorfall gestattet einen tiefen Blick in Ronnies schwarze Seele, wo ein gefährlicher Engel nistet und dessen Flügelschlag den Tod verspricht.

Verwirrspiele und unheilige Allianzen

Mit "Gefährliche Engel" legt Laura Lippman eine Geschichte vor, die vom Verschwinden kleiner Kinder in Baltimore erzählt und Lippmans dezente, aber äußerst spannende Form des psychologischen Kriminalromans fortsetzt.

Gemeinsam mit der gleichaltrigen Alice entführt Ronnie ein Baby, das später tot aufgefunden wird. Die Mädchen wandern für sieben Jahre ins Gefängnis. Kurz nach ihrer Entlassung wird wieder ein Kleinkind entführt, die Mutter des ersten Opfers macht Ronnie und Alice dafür verantwortlich. - Bis dahin ist unglaublich viel passiert, aber der Roman gerade einmal um ein Drittel geschmolzen. Der Rest ist ein Verwirrspiel um Unschuldsbeteuerungen, Rassismus und Diskriminierung und eine aufflackernde Vergangenheit, bis dann ein Paukenschlag in bester Hitchcock-Manier den Plot aufbricht.

Laura Lippman beobachtet unspektakulär aus distanzierter Nähe, und wirft ein Auge auf die Presse und die Angehörigen von Opfern, deren unheilige Allianz der rechtsstaatlichen Aufklärung und gerechter Sühne mitunter im Wege steht. (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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