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Gedichte
196-2000.
Gedichte von Philipp
Schiemann (2004, Killroy Media Verlag).
Besprechung von Boris Kerenski aus dem titel-magazin
vom 24.2.2004:
Kult
aus dem Underground
Trotz ein paar berechtigter Kritikpunkte, ist dieses Buch ein Muss für alle,
die sich mit der jungen deutschen Literatur fernab der Adlon-Clique
beschäftigen, denn Philipp Schiemann ist zweifellos einer der interessantesten
Schriftsteller aus dem sogenannten literarischen Underground.
In Subkulturkreisen genießt Philipp Schiemanns Debüt Suicide City von 1998
Kultstatus. Jetzt erschien eine Zusammenstellung ausgewählter Gedichte und
Portraits des Autors (Aufnahmen von Andreas Schiko, Alexandra Höner, Saskia
Boachie) alles Arbeiten, die im Zeitraum zwischen 1996-2000 entstanden sind.
Doch das Konzept kann nicht überzeugen: Jeweils auf der linken Seite stehen
Gedichte, auf der rechten Fotografien, die leider eine so große Dominanz
entwickeln, dass die Texte die ja laut Titelangabe den Schwerpunkt bilden
sollten unterzugehen drohen. Unverständlich ist, warum sämtliche Querformate
hochformatig reproduziert wurden ein großer Makel bei dem ansonst durchdachten
Layout. Geplant war wohl, dass Gedicht und Foto miteinander korrespondieren. Ein
Zusammenhang ist allerdings in den meisten Fällen beim besten Willen nicht
erkennbar. So heißt es in P.C. (Political Correctness): Wenn dir fünf Black
Muslims den Arsch dressieren/ bis nichts mehr geht/ .../ Long Dong John gibt dir
seinen braunen Shifter/ bis zum ekstaseerprobten Anschlag/ .../ ein schwerer
gieriger Ochse. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man den Autor mit einem
Kind auf dem Arm.
Die Gedichte lassen sich in verschiedene Phasen einteilen: vom Social Beat über
den Buddhismus bis hin zum Poetry Slam. Literaturcafé thematisiert die
Langeweile öffentlicher Lesungen, auf denen Betroffenheitslyriker ihr Publikum
mit unnötigen Verschachtelungen quälen, in Liebe & Tod möchte das
lyrische Ich sein Leben als Pflanze, Stein/ oder vielleicht auch Vogel
fortsetzen und bei Lobgesang auf Claudias Arsch handelt es sich um eine Hommage
auf das Hinterteil einer Frau: Ich würde/.../ ihn auf Händen/ durch die Welt
tragen/ deinen Arsch, deinen verdammten/ Claudia/ ich bete ihn an. Einige
Gedichte wie Thanksgiving oder Ein gottverdammter Jammer wurden bereits in
Zeitschriften oder Anthologien veröffentlicht. Leider fehlen diese
bibliographischen Angaben, die das subkulturelle Netzwerk besser dokumentiert
hätten, als zwei Seiten Auszüge der Liveauftritte und das auf
Bilderdruckpapier Profistar mattgestrichen 170 g die in einer Niemeyer- oder
Peter Lang-Publikation vielleicht Sinn machen würden.
Trotz ein paar berechtigter Kritikpunkte, ist dieses Buch ein Muss für alle,
die sich mit der jungen deutschen Literatur fernab der Adlon-Clique
beschäftigen, denn Philipp Schiemann ist zweifellos einer der interessantesten
Schriftsteller aus dem sogenannten literarischen Underground.
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.titel-magazin.de]
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