Gedichte/Lieder.
von Wolf Wondratschek (2003, Zweitausendeins).
Besprechung von Sascha Seiler aus dem titel-magazin, 15.6.2003:

Einmal Star und zurück

Zweitausendeins fasst in diesem Band die vier Gedichtbände Wondratscheks aus den 70er Jahren zusammen, namentlich „Chucks Zimmer“, „Das leise Lachen am Ohr eines anderen“, „Männer und Frauen“ und „Letzte Gedichte“. Ein bisschen überflüssig ist das schon, denn schließlich konnte man bis vor kurzem im btb-Verlag eine Gesamtausgabe seiner Lyrik erstehen, die alles bis hin zu seinem bislang letzten Werk „Das Mädchen und der Messerwerfer“ zusammenfasste. Auf der anderen Seite macht gerade solch eine Sammlung Sinn, denn besagte vier Bände können unter dem Terminus „Pop-Oevre“ subsumiert werden. Referenzen auf Filme und Popmusik sind breit gestreut, der Sprachgestus ist oft eine schnoddrige Variante von Rolf Dieter Brinkmanns Pop-Rezeption der späten 60er.

Als sensiblere – und weitaus erfolgreichere – Ausgabe des Gossenpop-Poeten Jörg Fauser wanderte Wondratschek durch die 70er Jahre und hinterließ seine Spuren in den Gedanken zahlreicher spätpubertierender Leser. Eine Prise Hemingway´scher Existenzialismus, gepaart mit Bukowski’scher Gossenprosa und Brinkmann’scher Popbegeisterung – vieles, was Wondratschek so schrieb, wirkt erstaunlich artifiziell und konstruiert. Warum auch nicht, solange ein Meisterstück der Post-Pop-Dichtung wie die Brinkmann-Hommage „Er war too much für euch Leute“ dabei herauskommt. Das Gedicht erübrigt das Schreiben einer Brinkmann Biographie, so präzise und poetisch zeichnet es den Lebens- und Leidensweg des Lyrikers nach. Heute allerdings riecht das alles zu sehr nach 70er Jahre Muff. Dennoch ein interessantes Zeitdokument. Was macht Wondratschek eigentlich heute so?

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