Gedichte von Nazan Hikmet, 2002, Amman-VerlagGedichte.
Gedichte von Nazam Hikmet (2002, Ammann - Übertragung Monika Carbe und Wolfgang Riemann).
Besprechung von Stefan Weidner in Neue Züricher Zeitung vom 16.01.2002:

Zwischen Kult und Vergessen
Der türkische Lyriker Nâzm Hikmet: Renaissance zum 100. Geburtstag?

Nâzm Hikmet (1902-1963) verbrachte einen Grossteil seines Lebens im Gefängnis oder im Exil; dennoch gilt er als Begründer der modernen türkischen Lyrik. Zu seinem 100. Geburtstag, den die Quellen unterschiedlich auf den 15. oder den 20. Januar datieren, erscheinen auch im deutschen Sprachraum bedeutende Publikationen.

Wer unter den jüngeren, nichttürkischen Literaturfreunden kennt heute noch Gedichte von Nâzm Hikmet, ein einziges nur? Es mag zur literarischen Allgemeinbildung zählen, seinen Namen gehört zu haben. Aber schon einen Werktitel werden nur noch die wenigsten nennen können, und nur die Älteren. Es dürfte nicht viele grosse Dichter geben, die auf internationalem Parkett so hoch gestiegen sind und dann so sang- und klanglos fielen wie Hikmet. Beides, sein überzogener internationaler Ruhm ebenso wie die spätere Geringschätzung ihm gegenüber, ist ungerechtfertigt. Nâzm Hikmet ist ein grosser Dichter, aber einer, der so stark in seiner Muttersprache verwurzelt ist, dass man ihn ebenso wenig in fremde, vor allem nördliche Gefilde verpflanzen kann wie eine prächtige Palme.

Genau dies jedoch ist Nâzm Hikmet widerfahren. Sechzehn Jahre seines 61-jährigen Lebens verbrachte er im Gefängnis. Zwanzig Jahre lebte er im Ausland, davon mindestens dreizehn unfreiwillig, als Exilant. Seit er 1921, im Alter von neunzehn, zum Studium nach Moskau ging, befand er sich bis zu seinem Tod gerade einmal sieben Jahre auf freiem Fuss in der Türkei. Und dies geschah einem Dichter, der seine Heimat, sein Volk und seine Muttersprache mit einer Inbrunst liebte, die man in unseren Breiten kaum zu zitieren wagt. Wer sein Leben so fern von seinen Wurzeln verbrachte und im frostigen Moskau begraben liegt, der kann in seinem «Testament» mit gutem Recht wünschen: «Begrabt mich auf einem Dorffriedhof in Anatolien, / und wenn es recht wäre, / und auch noch eine Platane über meinem Kopf stünde, / dann auf keinen Fall einen Grabstein.»....Fortsetzung

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