Gedanken im Fluß von Heide Kunz-Traubert, 2009,Gedanken im Fluß.
Gedichte und Texte von Heide Kunz-Traubert (2009)
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Besprechung von Holger Lützen für die Rezensionen-Welt, 02/2009:

Dem Leben verpflichtet - Gedanken im Fluß: Aphorismen, Gedichte und Texte von Heide Kunz-Traubert
Schon Goethe mochte Autoren nicht, die dem Leben gegenüber kapitulierten und mied ihre Werke mit Akribie.

Schon Heinz Erhardt war sowohl dem Sinn des Wortes, als auch demjengen des Lebens ganz dicht auf der Spur und gewann aus der allzu häufig auftretenden Diskrepanz zwischen dem unbeabsichtigt gewählten und dem eigentlich gemeinten Wort große und größte Wirkung. Dem Wort dahinterzukommen war bei aller von ihm auch immer angestrebten Komik sein eigentliches Ziel.

Heute ist es ein Kabarettist von hohen Graden, Willy Astor, der unermüdlich den Schatz im Silbensee sucht und findet, immer dem Auftrag gemäß: "Sei fruchtbar und Meerrettich!". Wie Heinz Erhardt dreht und wendet er das Wort bis es die letzte Quintessenz senes Gehalts preigegeben hat.

Heide Kunz-Traubert, nun, legt mit ihrem inzwischen zehnten Band, betitelt "Gedanken im Fluß", eine Sammlung von Aphorismen, Gedichten und Texten vor, die sämtlich dem Leben verpflichtet sind. Sie schildert bedeutende und scheinbar unbedeutende Erlebnisse, Beobachtungen und Merkwürdigkeiten.

Dabei ist sie in der Mehrzahl der Fälle die Ich-Erzählerin und ihre ganz und gar weibliche Sicht der Dinge ist es, die die Texte inhaltlich auch für männliche Leser so interessant macht. Daß im Leben nicht immer alles nach Wunsch geht, wer wüßte es besser als sie? Doch anders als die meisten ihrer schreibenden Zeitgenossen, läßt sie sich vom gefaßten Gedanken nicht ankränkeln, strikt verweigert sie sich der Depression selbst dann, wenn sie, bzw. die Protagonistin eines ihrer Texte, als Inkarnation weiblicher Verführungskunst im Harems-Kostüm auftritt und bemerkt, daß sich der Klebstoff, mit dem sie den falschen Diamanten an ihrer Stirn befestigt hat, zu lösen beginnt. Im Gegenteil, gerade in solchen Situationen läuft frau zur Hochform auf. Mit köstlichem Humor wird dann geschildert, wie in der erwähnten Situation auch die Deckenlampe mit Sparbirne aus dem Supermarkt noch als Laterna Magica herhalten muß.

Wunderschöne Einfälle dieser Art finden sich reichlich in dem Band. Humor entsteht, so einer der Lehrsätze Vicco von Bülows, wenn Würde mißlingt. Ihm würde Heide Kunz-Trauberts Buch gefallen.

Humor entsteht aber auch aus der erschöpfenden Wortinterpretation, die das erste oberflächliche und landläufige Ergebnis einer Wortwahrnehmung nur zu oft ins krasse Gegenteil verkehrt. Neben der Erfindung schöner story lines, liegt hier eine der anderen besonderen Begabungen der Autorin. So erfahren wir von ihr, daß Tanktops keinen Sprit brauchen, blütenweiße Westen nicht duften und daß Gehröcke nicht laufen können. Und bei männlichen Hampelmännern empfiehlt es sich, daß frau beizeiten die Reißleine zieht.

Den Band durchzieht das sehr gesunde Selbstbewußtsein der Autorin, das keinen Raum läßt für Larmoryanz, für Melancholie oder Verzagen. Dies wiederum hätte Goethe gefallen. Insgesamt also ein wunderschönes, tiefsinniges und dabei kurzweiliges Buch, das seine Leserinnen und Leser (!) finden wird.

Die Austattung des Buch ist zudem wirklich gelungen, und, was an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben soll, das Werk ist versehen mit kongenialen Illustrationen von wahrlich dazu berufener Hand: Sie stammen von Hans "Shorty" Kunz, seines Zeichens Architekt und... Ehemann der Autorin.

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