Gedächtnisschutt von André Schinkel, Unartig, 2008Gedächtnisschutt.
Präludien+Gedichte von André Schinkel (2008,
Verlag Unartig/Zeitzeichen)
Besprechung aus der Mitteldeutsche Zeitung, Ausgabe Aschersleben vom 22.09.2008:

«Gedächtnisschutt» und Jazz
Pünktlich zur Präsentation in der Lesereihe ist André Schinkels Band «Gedächtnisschutt» erschienen

André Schinkel, geboren 1972 in Eilenburg und in Halle / Saale lebend und arbeitend, eine der Hoffnungen der jüngeren Lyrikergeneration, las am vergangenen Freitag in der vom Ascherslebener Kunstverein veranstalteten Lesereihe "Zeitzeichen" aus dem dort zur Präsentation erschienenen Band "Gedächtnisschutt", der sich mit den 2007 andernorts erschienen Bänden "Unwetterwarnung" und "Löwenpanneau" zu einer Trilogie verbindet.

"Schwester; gekankertes Träumen von Leib zu Leib getragen, - Entfernte im Schlaf; unsere Reisen gehen dahin, wo das Schweigen die Nischen bewohnt; Gedächtnisschutt, die trümmernen Orte verfehlt, das gläserne Schweigen der Faune..." Schinkel hatte ein gebanntes Publikum, welches genau hinhörte, die aufnehmende Stille im Obergeschoss des Grauen Hofes war sprichwörtlich. Den oft düsteren, bisweilen bösen und aggressiven Texten der nunmehr 15. Publikation Schinkels aus dem hier präsentierten 27. Heft der "Zeitzeichen", stellte Schinkel Erotisches an die Seite, las begleitend aus anderen Publikationen und ließ so das Publikum an den Bezügen teilhaben.

Der aus Magdeburg angereiste Jazz-Pianist Wolfgang Mader (Jahrgang 1949) gab dem Abend in virtuoser Weise ein musikalisches Gepräge - mit einem Einblick in die Bandbreite seines Könnens über Jazz, Unterhaltung bis hin zum klassischen Repertoire, verzauberte er, nach einem Präludium und Intermezzo bei der Lesung Schinkels, vor allem im zweiten Teil des Abends die Gäste des Grauen Hofes. Hervorzuheben ist das einfühlsam exakte Spiel Maders, der die Stimmung des Abends virtuos aufnahm und den Gästen - das Stammpublikum hatte sich eingestellt - das Gefühl einer konzertanten Aufführung mit auf den Weg gab.

Der Herausgeber der "Zeitzeichen"-Hefte, Paul Alfred Kleinert (Berlin), stellte dem Publikum die Gäste vor und dankte in seiner Einleitung den Mitarbeitern des Ascherslebener Kunstvereins sowie den Sponsoren der Reihe für die nunmehr schon neun Jahre währende gemeinsame Arbeit. Für das kommende Jahr, so war von ihm zu erfahren, ist eine Anthologie aus Anlass des dann zehnjährigen Bestandes der "Zeitzeichen" geplant - auf jene darf man gespannt sein. Zudem ist, aus dem nämlichen Anlass, eine "Zeitzeichen"-Vorstellung in Berlin am 26. März 2009 vorgesehen, an der zwei der Autorinnen der Reihe aus ihren Büchern lesen und so auch dem Kunstverein zu Aschersleben eine breitere Rezeption sichern werden.

Neun Jahre "Zeitzeichen" am Grauen Hof, das bedeutet eine kontinuierliche und gute Arbeit der Menschen des Kunstvereines vor Ort im Verbund mit dem Herausgeber der Reihe: eine gemeinsame Leistung, die im kurzlebigen Kunst- und Kulturbetrieb dieser Tage Anlass zu Hoffnung gibt und zu der das nötige Glück erhalten bleiben möge.

.[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter Mitteldeutsche Zeitung]

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