Funken fliegen zwischen Hut und Schuh von Peter Rühmkorf, 2004, DVAFunken fliegen zwischen Hut und Schuh.
Gedichte von Peter Rühmkorf (2004, DVA).
Besprechung von Matthias Kehle auf www.matthias-kehle.de:

Funken fliegen zwischen Hut und Schuh

Scharfzüngig und virtous sind nicht nur die Gedichte von Peter Rühmkorf. Unzählige seiner Tagebuchnotizen, Skizzen und Essays enthalten präzise, bissige Aphorismen in der Tradition von Jean Paul und Karl Kraus. Sie eignen sich auch brillant als Apercus für den bildungsbürgerlichen Smalltalk.

Das mag sich Herausgeber Stefan Ulrich Meyer gedacht haben, der unter dem Titel "Funken fliegen zwischen Hut und Schuh" viele "Lichtblicke, Schweifsterne, Donnerkeile" des Altmeisters versammelt hat. Es sind meist wenige Zeilen, oft aus dem Zusammenhang gerissen, dafür aber um so prägnanter. Neben mehr oder weniger Bekanntem hat Meyer auch unveröffentlichte Notate aus Rühmkorfs Stoffsammlung publiziert. Darunter sind hochaktuelle politische Aphorismen ("Krieg als Fortführung des Marktes mit anderen Mitteln"), sowie kultur- und feuilletonkritische "Donnerkeile". So schreibt er über Literaturkritik, sie sei "nicht fähig, Individuen auszumachen, nur Fratzen". Kultur sei "das Gezwitscher der Feuilletons untereinander" und "MRR - eine Zuchtrute der Musen".

Daneben findet Rühmkorf liebevolle oder sarkastische Worte für Kollegen, Verleger oder Politiker - für letztere eher sarkastische. "Wer Lyrik schreibt, ist verrückt,/ wer sie für wahr nimmt, wird es", ist ein nicht ganz ernstes poetologisches Statement: Aussagen zur Schriftstellerei nehmen reichlich Platz in dem äußerst amüsanten Band ein.

Der Leser erfährt viel über den Genußmenschen Peter Rühmkorf ("Verglichen mit dem pausenlosen Gefresse ist das Qualmen doch ein vergleichsweise vergeistigtes Laster"), zugleich ein Leidender, "ein depressiver Briefbeschwerer".

So alt und krank sich Rühmkorf in den bislang unveröffentlichten Notaten zeigt, der linke Kämpfer blickt noch immer aus Zeilen wie: "Statt Arbeitsplätze: Gemeinplätze" oder "In den Arsch kriechen, um zu unterwandern: ist noch nie gutgegangen."

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.matthias-kehle.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0605  LYRIKwelt © Matthias Kehle