für später von F.E.Ulrich, 2001, Unartig-Verlagfür später.
Gedichte aus dem Nachlaß von Fritz Eckhard Ulrich (
2001, Verlag Unartig/Zeitzeichen, hrsg. von Cordula Ulrich und Paul Alfred Kleinert).
Besprechung von Werner Berger, Wien-Ottakring für die REZENSIONENwelt, im Juni 2005:

Ulrich war als Dichter eher einer der Stillen im Lande; im Land DDR.
Seine durchaus formschönen und emotional berührenden Gedichte erschienen zu Lebzeiten nur in Anthologien wie „Erlebtes Hier“ (1967), „Saison für Lyrik“ (1968) oder „Auswahl ’68 (1968).

Zu (dann gleich zwei) eigenständigen Büchern kam es erst postum, da Ulrich 1992, 56jährig, in Halle/Saale den Freitod wählte.

Nachdem in Halle/Saale im Jahr seines Freitodes ein Band mit Gedichten herausgekommen war (der bereits zwei Jahre später eine zweite Auflage nach sich zog und Ulrich 1996 postum den Literaturpreis der Bundesärztekammer einbrachte), erschien vor kurzem in der ambitionierten Reihe des Kunstvereins Aschersleben „Zeitzeichen“ (einer Lyrikreihe, die mittlerweile Kundigen des Gedichtes der Gegenwart ein Begriff sein dürfte) das Bändchen „für später“, mit einer Gedichtauswahl der Ärztin i.R. Dr. C. Ulrich (Niemberg) und des Reihenherausgeber Paul Alfred Kleinert (Berlin), welches erneut eine Anzahl an Gedichten versammelt, deren klug gewählte zeitliche Abfolge sich für außen Stehende wie eine Zustandsbeschreibung der Lebensbewältigung in der DDR liest.

In klarer, oft metrisch gebundener Sprache, berichtet hier Ulrich von Leben, Liebe und Verlust. Der Band beinhaltet Ansprachen an Menschen aller Lebensalter und Couleur, Liebesgedichte neben solchen, die den Straßen der Stadt, in der Ulrich als Arzt und Dozent praktizierte, gewidmet sind und zeichnet sowohl den Alltag in einem repressiven Staatswesen als auch die Antwort darauf eines sich in diesem (und doch nicht auf dieses) orientierenden Menschen nach.

Außerordentlich anrührend liest sich das letzte der in dieser Auswahl versammelten Gedichte, geschrieben in der sogenannten „Wendezeit“ 1990, eineinhalb Jahre vor dem Ausscheiden Ulrichs aus dem Leben und die Ausweglosigkeit jenes vorwegnehmend.

Die chronologische Abfolge der Gedichtanordnung ermöglicht der Leserin bzw. dem Leser gemeinsam mit dem Dichter den Gang durch die Zeit: die Ulbricht-Ära mit Mauerbau, der (immer wieder hinterfragte) Versuch, sich im Verbliebenen einzurichten, Altern in und an den vorherrschenden Verhältnissen, Anbindungen an Frauen, Einbindungen der Kinder. Die immer wiederkehrende Hinterfragung von Leben, wie es gelebt wird, werden sollte und sich darstellt, machen das Bändchen zu einer lohnenden und tief nachdenklich stimmenden Lektüre.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]

Leseprobe I Buchbestellung 0805 LYRIKwelt © Dr.Werner Berger, Wien