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Für Nächte am offenen Fenster.
Roman von Max
Goldt (2003, Rowohlt).
Besprechung von Klaus Hübner aus der titel-magazin,
30.11.2003:
Wahrer Goldt
Der wortgewaltige Vielschreiber Max Goldt
legt eine Halbzeitbilanz vor und lädt zum Blättern, Schmökern, sich Festbeißen,
Lachen, Staunen und Fluchen ein.
Ganz bescheiden großmäulig untertitelt Max Goldt seine Textsammlung aus fünfzehn
Schriftstellerjahren mit: „Die prachtvollen Texte von 1988–2002“. Bei
einem Vielschreiber wie Max Goldt erscheint das fast als zwingend logische Folge
seiner Popularität und seines Fleißes –denn seine Produktivität in dieser
Zeitspanne war enorm; davon zeugen viele Beispiele und nur wenig Unveröffentlichtes.
Manches hat er überarbeitet, fortgeführt, gekürzt. Doch überall dringt der
wahre Goldt durch, der sehr genau beobachtet und hinhört.
Und genau das ist das eigentlich frappierende an seinen Texten: Man kommt sich
oft ertappt vor, aus der Anonymität der Masse, die ja auch nicht anders handelt
und denkt und spricht, herausgehoben und als abschreckendes Beispiel
angeprangert.
Großer Fabulierer und sprachgewaltiger Worterfinder
Der große Fabulierer und sprachgewaltige Worterfinder outet sich als ein
genauer Beobachter. „In der Duz-Falle“ etwa ist ein köstliches Stückchen
blanker Ironie und sie funktioniert fast wie ein Duz-Knigge für unsichere
Zeitgenossen auf gesellschaftlichem Parkett.
Ja, und das Schmökern. In der umfangreichen Sammlung herumblättern, lesen und
sich festbeißen, das ist eine Bereicherung sonstiger dickleibiger Lektüre.
Guten Gewissens das Buch einmal für mehrere Tage weglegen und dann wieder
eintauchen in den Buchstabensalat. Tagebucheinträge und Köstlichkeiten wie die
beiden Texte „Österreich und Schweiz“ und „Kölner und Düsseldorfer“
vertreiben schnellstens die Zugluft, die man sich vielleicht am offenen Fenster
einfängt.
Schmökern, lesen, sich festbeißen
Max Goldt kann aber auch, und das scheint kalkuliert zu sein, auf den Senkel
gehen, weil er permanent seine Wisserei als Nonplusultra des Bildungsergebnisses
sich bemühender Gymnasiallehrerkollegien darstellt. Doch halt! Wer da schreit
und zetert, wird schnell erkennen, dass Goldt an dieser Stelle nicht den
Besserwisser hervorkehrt, sondern lediglich der Deutlichkeit wegen erläutert
und belehrt. Wunderbare Wahrheiten finden sich auch. Etwa diese Textprobe:
" Throni: Ja, es hat so fein gebrannt, dass man sogar Matthieu Carrière
ertragen konnte, gegen dessen Blasiertheit ja sogar die von Klaus Maria
Brandauer verblassen würde. All diese eitle Präzision des Blicks, diese
grauenvolle Hyperpräsenz und -prägnanz.“
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.titel-magazin.de]
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