Franzl -
Keiner weiß wohin.
Roman von Willi
Weglehner (2007, Mabase
Verlag).
Besprechung von Bernd Zachow in den Nürnberger
Nachrichten vom 4.03.2008:
Die Tragödie des fahrenden Volkes
Aus den Erinnerungen des KZ-Überlebenden Franz
Rosenbach hat der Autor Willi Weglehner einen Roman gemacht, aus dem er am 9.
März im Nürnberger Dokuzentrum am Dutzendteich erstmals vorlesen wird (Beginn:
11.30 Uhr).
Neben den Juden gehörten in der NS-Zeit vor allem die als «Zigeuner»
bezeichneten Sinti und Roma zu den Opfern rassistischer Verfolgung. Während des
Zweiten Weltkrieges wurden rund fünfhunderttausend Angehörige jener
Volksgruppen ermordet. Allein am 2. August 1944 starben in Auschwitz-Birkenau
fast 3000 von ihnen in den Gaskammern. Der heute 80-jährige Sinto Franz
Rosenbach überlebte die Gräuel der Konzentrationslager.
Bei der Beschreibung der Familie seines Helden musste Weglehner sich einfühlen
in Menschen, die mental in einer archaischen Stammesgesellschaft lebten, und
denen daher Regierungen, Staaten und Staatsgrenzen ebenso fremd waren wie
politische und weltanschauliche Theorien.
Ein Hauch von Multikulti-Österreich
Franz Rosenbach, der im Roman Franz Weiss heißt, wird 1927 in der damaligen
Tschechoslowakei geboren. Die Gründung dieses Staates neun Jahre zuvor ist
seinen Eltern irgendwie entgangen, weshalb sie ihren Sohn nach Kaiser Franz
Joseph I., der Symbolfigur der 1918 untergegangenen Donaumonarchie, benennen.
Einen Schimmer vom multikulturellen Altösterreich verbreitet aber noch die
österreichische Republik, in die der kleine Franzl einige Jahre später mit
Mutter, Schwestern und mit einem neuen (Zieh-)Vater einwandert.
In einer kleinen Gemeinde scheint die Familie nach einigen Anlaufschwierigkeiten
fast mustergültig integriert zu sein. Franz Weiss besucht die Dorfschule, der
Ziehvater arbeitet als Handwerker für die österreichische Armee, die Mutter
als Näherin. Die Lage verschlechtert sich aber nach dem «Anschluss»
Österreichs an das Deutsche Reich. Von den Gründen ahnen Franz und die Seinen
nach wie vor nichts.
Plötzlich ist die Schule aus
Der Junge wundert sich zwar, als man ihm eines Tages mitteilt, für ihn sei die
Schule nun aus. Dass diese plötzliche Zurückweisung etwas mit dem Rassenwahn
der neuen Herren zu tun hat, wird er erst viel später verstehen. Vorläufig ist
er zufrieden, eine Lehrstelle bei der Bahn zu bekommen. Dort braucht man so
junge und kräftige Burschen wie ihn, meint er. Doch die Obrigkeit entscheidet
anders. Aufgrund einer Anordnung des Reichsarbeitsministeriums über die
Beschäftigung von Zigeunern wird der mittlerweile 15-jährige Sinto von seinem
Arbeitsplatz weg in ein KZ gebracht.
Es folgt Zwangsarbeit im Kanalbau, im Steinbruch und am Verbrennungsofen in
mehreren Lagern. Kurz vor Ende des Krieges wird er mit 700 weiteren Häftlingen
in Richtung Hamburg-Neuengamme auf den Marsch geschickt. Nach vielen Kilometern
zu Fuß sind auch die paar Bewacher derart erschöpft, dass sie Rosenbach-Weiss
entkommen lassen. Er macht sich auf die Suche nach seiner Familie, kehrt in das
Dorf seiner Kindheit in Niederösterreich zurück, und begreift die
Besatzungszonen, durch die er kommt, ebenso wenig wie alles Vorhergegangene.... Fortsetzung
Die komplette Besprechung von Bernd
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