Fräulein Milli kam nicht mehr von Ursula Gundlach-Meister, 2002, Lyrik&Prosa...Fräulein Milli kam nicht mehr.
Erzählungen+Erinnerungen von Ursula Gundlach-Meister (2002, LYRIK & PROSA).
Besprechung von kar in Westfälische Rundschau, 2.10.2002:

Einladung zum Eintritt ins Damals

Es sind Geschichten, die das Leben schrieb. Ein Leben, das in Haspe seine Heimat hat, auch wenn die Erinnerungen weit darüber hinaus reichen. Ursula Gundlach-Meister hat viele dieser Erinnerungen aufgeschrieben und damit nachvollziehbar gemacht.

Sie sprechen an, die Geschichten, weil sie ganz konkrete Anlässe haben und einen Rahmen schildern, der für manchen Ur-Hasper erinnerlich ist oder den viele Jüngere aus Erzählungen kennen. Vieles spielt sich rund um ihr Elternhaus ab, das mehrgeschossige Gebäude Berliner Straße 74 a. Hier sah Ursula Meister als kleines Mädchen aus dem Fenster und beobachtete das Leben ringsum. Wehmütig der Vergleich zu heute: "Hier an der Kreuzung Berliner-/Rolandstraße, wo seit Jahren eine Ampelanlage blinkt, genau dort stand eine wunderschöne, riesige Kastanie. Und da, wo nun der Würstchenduft aus der "Heißen Kiste" strömt, genau an dieser Stelle wurde das alte Haus der Lehrerin Fräulein Renke von der Kastanie beschattet. Eine Treppe führte zur Haustür, in der Fräulein Renke immer schnell verschwand. Sie lebte im Haus allein mit ihrer Schwester. Nie haben wir Kinder die Innenräume betreten dürfen. Es hatte etwas sehr Geheimnisvolles für uns."

Es sind 13 Geschichten, in denen Ursula Gundlach-Meister ihren Erinnerungen lebendig werden läßt, Erinnerungen, die sich mit denen vieler Hasper decken, auch wenn es dabei Erzählungen gibt, die wegen der "Kinderlandverschickung" während des Krieges in Pommern spielen. Ein Schicksal, das damals auch anderen Kindern widerfuhr.

In seinem Vorwort stellt Dr. Peter Schütze treffend fest: "Nein, für dreißig Pfennig können wir nicht mehr "mit der Straßenbahn bis zur Kohlenbahn fahren." Das ist vorbei. Vorbei? Ist denn vorbei, was in unserem Gedächtnis ist? Lebt das, was wir uns aufgeschrieben haben nicht mit uns weiter? Also, wer noch einmal mitfahren möchte, der trete ein. Durch die alte Tür der Berliner Straße 74 a in Ursula Gundlach-Meisters Zeitschloss. Wir treten ein ins Damals."

Schütze lobt die unkomplizierten Schilderungen der Autorin, der Tochter des Lyrikers Ernst Meister: "Der Dichter, der ihr Vater war, ist immer in ihrer Nähe. Ursula Gundlach-Meister erweckt die Vergangenheit als wäre sie noch um uns, . . . und bald merken wir, wir kennen sie alle, die Menschen, die sich hinter den fremden Namen verbergen, die Straßen, die sich durch unsere kleine Stadt ziehen."

Das 146-seitige Buch mit mehreren Abbildungen kostet 13 Euro. Es ist in den heimischen Buchhandlungen erhältlich und wird am Freitag, 4. Oktober, 11 Uhr, im Café der Buchhandlung "Thalia" vorgestellt.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie in www.westfaelische-rundschau.de]

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