Flora Beriot von Birgit Unterholzner, 2010, Edition LaurinFlora Beriot.
Roman von Birgit Unterholzner (2010, Edition Laurin).
Besprechung von Helmut Schönauer auf
schoenauer-literatur.com, 2010:

Die Literatur muss alles: Die Zeit zurückdrehen, anhalten oder beschleunigen, je nach Aufgabenstellung erledigt sie alle diese Vorgänge tapfer. Und es ist kein Geheimnis, dass wir alle sagen: Wenn etwas bleibt von der Gegenwart, ist es die Literatur.

So ist es ein kluger Vorgang, dass die "innsbrucker university press", die umfangreich das wissenschaftliche Geschehen dokumentiert, seit 2010 eine Literaturserie "edition laurin" führt, die von Birgit Holzner betreut wird. Die ersten drei Bände sind soeben erschienen und bringen die Südtirolerinnen Birgit Unterholzner und Helene Flöss, sowie den Vorarlberger Wolfgang Hermann literarisch auf Augenhöhe zur sogenannten reinen Wissenschaft.

In Birgit Unterholzners Roman Flora Beriot geht es um das Anhalten und Beschleunigen der Zeit. Die Hauptfigur Flora Beriot ist eine Kunstschmiedin, sie pflegt ein eher langsames Handwerk und hat es nach einigen Umwegen gut hingekriegt hat, autark zu sein. Immerhin leidet sie unter der Tatsache, dass ihr Vater ein extravaganter Künstler gewesen ist.

Auf diese Flora geht eines Tages ein Schriftsteller zu, der auf jeden Fall ein Buch über ihren Vater machen will, aber sich so manche Recherche- und Emotionsfenster offenhält.

Jetzt entsteht natürlich eine Gefühlswelt, die einerseits aus den Vorfahren hervorgeholt wird, indem man darüber erzählt, andererseits lässt sich so ein lebensintensives Interview nicht führen, ohne dass nicht der eine oder die andere gegen diese Leitplanken der Konvention schrammt und plötzlich freie Bahn für neue Gefühle hat.

Aus guten Romanen bleiben immer ganz knappe Fügungen für den Leser übrig, die das Buch dann langfristig im Lesegedächtnis verankern. Der Vater ist beispielsweise nach seinem Tod "aufgebläht wie eine Robbe" aufgebahrt worden, erzählt Flora.

Der Schriftsteller muss natürlich auch Erzählmilch geben und erzählt, dass er gezeugt worden ist, weil seine Mum am Bauernhof das mit den Tieren auch einmal selber machen wollte.

Sachte entwickelt sich die Herkunft der beiden, man wird ja nur auf wilden Umwegen zur Kunst getrieben. Eine künstlerische Scham ist nie wegzuwischen, denn jede Frage nach der Kunst des Gegenübers, ist ja auch eine erotische, die es subtil zu handhaben gilt.

Flora Beriot ist ein vielschichtiger Roman über Liebe und Herkunft, über Kunst und Selbstbewusstsein, über Genauigkeit des Gefühls und den Fehlschliff in den Kunststücken. -Ein wunderschöner Start der "edition laurin".

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter WOZ Die Literaturdatenbank des Österreichischen BibliotheksWerks - Medium]

Leseprobe I Buchbestellung 0510 LYRIKwelt © H.Schönauer/Rezensionen-online