Fernhandel von Thomas Kling, 2000, DuMontFernhandel.
Gedichte von Thomas Kling (2000, DuMont - mit CD).
Besprechung von Theo Breuer im titel-magazin:

Eine Reihe, die aus der Reihe fällt...

Vor mir liegen 5 Bücher (plus eine "Zugabe") mit außergewöhnlicher Ausstrahlung: Es sind Bücher, die bereits durch ihre ausgesuchte Aufmachung - mit weißem, blauem, rotem, gelbem und grünem Leineneinband, Lesebändchen, im Schuber) sehr gute lyrische Qualität suggerieren. Diese hochwertigen Buchobjekte sind offenbarer Ausdruck eines verlegerischen Selbstbewusstseins, das fest überzeugt zu sein scheint, eine in jeder Hinsicht anspruchsvolle lyrische Idee auf dem Buchmarkt durchsetzen zu können, das im Prospekt ganz bescheiden von "moderner Lyrik internationaler Autoren" verspricht...

(04) Christian Dörings Wechsel von Suhrkamp zu DuMont wird wohl den Ausschlag gegeben haben, den 4. Band, Fernhandel tituliert, an den Sprachlaboranten Thomas Kling zu vergeben, der zu den auffälligen lyrischen Erscheinungen der 90er Jahre zu rechnen ist. Kling hat ja vorher bei Suhrkamp regelmäßig Lyrikbände veröffentlicht. Spekulieren wir nicht, sondern wenden uns dem Buch zu. Und siehe da: Thomas Kling erstaunt mich mit neuen Formen, die ich so bislang von ihm nicht unbedingt kannte. Die seit langem bekannte, immer wieder auf ihre Haltbarkeit erprobte typische "Klingform" ist auch darin präsent (wenn auch nicht so extrem), aber die langzeiligen Dreizeiler auf den ersten Seiten und am Ende sind schon etwas so bei Kling noch nicht Gelesenes. Und dass (und wie!) er sich u.a. mit dem letzten mittelalterlichen Minnesänger Oswald von Wolkenstein beschäftigt, macht diesen (unnahbaren?) Kling auf einmal verblüffend zugänglich - auch sprachlich: Da sieht man, wie kongenial nachzuempfinden dieser hypersensible Typ in der Lage ist. Prosahafte Simultancollagen, extrem rhetorische attributive Kombinationen zu Bildern aus dem 1. Weltkrieg -- kühle Elegien? Thomas Kling lesen heißt sich die volle lyrische Dröhnung geben: Diese antikisierende, assozative, dichte, hommagierende, intensive, kritische, lautmalende Art zu dichten, Wort zu Wort zu setzen, cool, selbstgewiss, kompromisslos ("es tut mir leid: gedicht ist nun einmal: schädelmagie"), lässt mich zum einen nicht los und beeinflusst mein weiteres Tagesprogramm enorm, von der Nacht ganz zu schweigen. Diese forcierte Lyrik empfinde ich wie eine bewusstseinserweiternde Droge (die übrigens wohl nicht jedermanns Sache ist). Die dem 102 Seiten starken Band beiliegende CD mit den vom Autor gelesenen Gedichten sind natürlich eine erfreuliche Bereicherung. Hören Sie selbst:...

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