Feierabend.
Roman von Laurent Graff (2001, Ferber-Verlag).
Besprechung von Felix Müller aus Die Welt vom 21.9.2002:

Stille Tage im Klischee
Graffs Roman "Feierabend" hätte eine Replik auf Michel Houllebecq werden können

Das Altersheim "Glück im Winkel" ist in der Zeit gestrandet. Es ist ein Leben in trister Routine, wie in Bernstein eingeschlossen: Frühstück, Beschäftigungstherapie, Mittagessen, Beschäftigungstherapie, Abendessen. "Ich bescheide mich damit, den unaufhaltsamen Verfall zu beobachten, der auf den Menschen wartet, mit einem absurden Tod am Ende", sagt Laurent Graffs namenloser Erzähler, der zu den Bewohnern zählt. Er ist fünfunddreißig Jahre alt.

Schon mit 18 glaubt er alles ausprobiert, erlebt und hinter sich zu haben. Er räumt sein Konto leer und kauft sich ein Grab mit einer hellgrauen Marmorplatte. Lustlos arbeitet er ein paar Jahre als Lagerist, aber irgendwann kommt eine große Erbschaft, und er zieht sich aus dem Berufsleben zurück. Nun sieht er den Heimbewohnern beim Sterben zu.

Graffs Roman "Feierabend" hätte eine Replik auf Michel Houllebecq werden können, und als solche ist sie auch gemeint. Mit Houllebecqs Personal teilt der Frühpensionär den Überdruss, den Weltekel, die narkotische Lethargie. Nur wird seine Perspektive von Wärme durchbrochen: Er lernt die krebskranke Mireille kennen, der nur noch wenige Tage bleiben. Er empfindet Zuneigung und begleitet sie in den Tod....Fortsetzung

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