Faszikel.
Projekt von A. J. Weigoni und Haimo Hieronymus (2004, Künstlerbuch in der Haimo-Presse, Neheim)
Besprechung
von Matthias Hagedorn für die REZENSIONENwelt, im August 2004:

Ein Bild beschreiben heißt auch, es mit Schrift zu übermalen.
Die Beschreibung übersetzt es in ein anderes Medium.

Die Struktur des Textes ist: Ein Bild stellt das andere in Frage. Eine Schicht löscht die vorige jeweils aus, und die Optiken wechseln. Dem bildenden Künstler Haimo Hieronymus und dem Schriftsteller A. J. Weigoni geht es in ihrer Arbeit um die Übersetzung in andere Medien, um die Bildung von Schichten, die simultan und konsekutiv, Gedichte sichtbar/hörbar machen - wechselnd Optik, die schließlich auch den Betrachter heilsam in Frage stellt.

Das Bild ist Materie, kein Anschauungsmaterial. Material, das zerstört werden kann, um es neu zu fügen, andere Gedanken zu formulieren, neue Zusammenhänge zu erschließen. Der Tastsinn des Beschauers wird angeregt, um wieder negiert zu werden. Dabei entsteht kein Schock, sondern ein subtiler Dialog zwischen Bild und Betrachter, zwischen Materie und Fügung. Anstatt eines beliebigen Dekors der Geschwindigkeit entsteht eine leise Schwingung, eine Vibration in der Oberfläche von Bild und Text. Diese fügt das Bild zusammen, nicht Linien oder Linienkonstrukte für sich: Sie sind eingebunden in eine Gesamtabsicht der Komposition. Aufgelöste Flächen in beständigem Schwingen, im Gespräch und Streit mit den Lineaturen.

Haimo Hieronymus und A. J. Weigoni gehen bei diesem Projekt vom Virtuellen ins Materielle und zielen auf ein älteres Speichermedium, das
mittels neuer Medien hergestellt wird und mit analogen Medien zur gebundenen Form findet. Die Entstehung einer Einheit von Schrift und Bild untersuchen Haimo Hieronymus und A. J. Weigoni im Medium des Computers und setzen sie im Neheimer Atelier um. Die "digitale Manufaktur" produziert ein "Faszikel".

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.rezensionenwelt.de]

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