1.)
- 2.)
Faserland.
Roman von Christian
Kracht (1995, Kiepenheuer & Witsch/2002, dtv 12982).
Besprechung von Ulrich
Karger, Berlin:
Christian Kracht, Jahrgang 1966,
gibt sein Debut mit "FASERLAND".
Ein nicht nur namenloser Ich-Erzähler
durcheilt per Flugzeug, Bahn und altem Porsche die Republik, von Sylt bis an den Bodensee.
Ohne eigene Mitte, lediglich von den nicht erfüllten Geschmäcklichkeiten der Neuauflage
eines Junkers nach Gutsherrenart geplagt, säuft und kotzt dieses Ich in einem fort. Wie
alt es ist, läßt sich nur schwer erraten. Vermutlich wie der Autor Ende zwanzig. Woher
der Held das Geld für seine Eskapaden nimmt, ist dem Autoren ebenfalls egal. Deutschland
wird zum Dorf, gerade noch auf Sylt zusammengesessen, trifft "man" sich am
Bodensee schon wieder, ohne je ins Gespräch zu kommen. Ihm kann man nichts mehr
erzählen. Er sieht doch selbst wie es ist. Tatsächlich gelingen dem Autoren eine
Vielzahl von bemerkenswerten Beobachtungen und Assoziationen. Die durchgängig genannten
Markennamen werden dabei zu den Chiffren eines zwanghaften Über-Ichs, das sich kurz mit
Werbe- und Konsumgesellschaft überschreibt. Aber das Alles erweist sich letztlich dann
doch nur als plakatives Geschwätz, ohne je etwas "wirklich" zu durchdringen.
Bei ihm ist etwas oder jemand lediglich "wirklich charmant", "wirklich
schön" oder "wirklich blöde". Letzteres fällt auf den
Erzähler dann auch heftig zurück, wenn er z.B. meint, daß "alle Deutschen"
ab einem bestimmten Alter "wie komplette Nazis" aussehen, aber offenbar
ahnungslos auf dem Berliner Flughafen Tempelhof "das Erhabene des Fliegens
unterstrichen" sieht und zu schlechter Letzt die Literatur von Hermann Hesse mit
dem Heldenbarock eines Ernst Jünger in einen Topf wirft. (Die Bücher von
Frisch und
Dürrenmatt findet er ebenfalls allesamt "dämlich"...) Provokation oder
gar Rebellion gegen Apo-Opas bzw. die Elterngeneration des Autoren? Das wäre dann schon
das Plastikhämmerchen, aber selbst das legt er auf den letzten Seiten plötzlich
beiseite, um auf einmal den Kindern etwas zu erzählen: ".., von den
Auserwählten, die im Innern der Maschine leben, die gute Autos fahren müssen und gute
Drogen nehmen und guten Alkohol trinken und gute Musik hören müssen, während um sie
herum alle dasselbe tun, nur eben ein ganz klein bißchen schlechter."
Nur das Ende läßt noch für den Autoren hoffen, denn da scheint sich das Phantom eines
Ich-Erzählers seiner selbst entledigen zu wollen, was kaum jemand bedauern dürfte.
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Leseprobe I Buchbestellung 0901 LYRIKwelt © Ulrich Karger
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2.)
Faserland.
Hörbuch, 2 CDs von Christian
Kracht (2000, Der HörVerlag).
Besprechung von Jochen Förster aus Die Welt vom 17.2.2001:
Kaum ein deutscher Roman erregte in den Neunziger Jahren mehr Aufsehen als "Faserland", im Guten wie im Schlechten. Sein Autor Christian Kracht, Sohn des gleichnamigen früheren Finanzbevollmächtigten Axel Springers, 28 damals und Autor des Lifestyle-Magazins "Tempo", wurde gefeiert und verfemt. Der "Spiegel" verglich ihn mit J. B. Salinger und Jack Kerouac, "Die Woche" las "reaktionäres Schnöseltum ohne jeden Biss" heraus.
Sechs Jahre sind seitdem vergangen. "Tempo" ist nicht mehr, Kracht tingelt durch Asien und schrieb sein zweites, wenig beachtetes Buch "Der gelbe Bleistift". Die Neue Deutsche Autorenwelle, deren Vorreiter er war, hat die Feuilletons erobert und taugt zum Aufreger längst nicht mehr. Eine gute Gelegenheit also, den Erstling noch einmal, aus historischer Perspektive zu betrachten, in der Lese-Aufnahme Krachts. Dass der sein "Faserland" (Der HörVerlag, München. 2 CDs, ca. 35 Mark) so seltsam teilnahmslos, wenn überhaupt mit leicht tröstendem Tonfall vorträgt, der so gar nicht seinem Schnöselruf entspricht, lässt einen die Geschichte kaum wieder erkennen. Oder vielleicht erst jetzt....Fortsetzung
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Leseprobe I Buchbestellung 0301 LYRIKwelt © Die Welt