Fallera von Jörg Juretzka, 2001, Rotbuch-Verlag1.) - 3.)

Fallera.
Roman von Jörg Juretzka (2001, Rotbuch).
Besprechung von Jens Dirksen aus NRZ vom 19.5.2002:

Bücher gehen über Leichen

...Einer nach dem anderen stirbt auch bei der merkwürdigen Bergtour, die der Gelegenheitsdetektiv Kristof Kryszinski zusammen mit Rollstuhlfahrern, Spastikern und Schwerverbrechern unternimmt. Es dauert eine Weile, aber dann wird's atemberaubend eng unterm Gipfel, weil alle aufeinander angewiesen sind und keiner keinem traut. Dass zudem noch eine bitterböse Realsatire dahintersteht, macht "Fallera" zum bislang besten Buch von Jörg Jarutzka. Der Mülheimer ist mit seinem Debüt "Prickel" 1998 Zweiter beim Deutschen Krimipreis geworden und pflegt im Lebenslauf unter seinen Qualifikationen auch den Blockhüttenbau in Kanada zu vermerken. Juretzka steht in seiner durch und durch ironischen Stillage für die neuen Schmelztiegel-Qualitäten des Reviers, in dem sich Bildungssprache aufs Schönste mit Jargon, Slang und Teenie-Rotwelsch vermischt. lakonisch wie Kinky Friedman und ohne eine Spur von Angst vor Krimilesern, die vor Vergnügen auflachen. Was nicht am Drogen- und Halbkriminellen-Milieu liegt, sondern an der Art und Weise, wie Juretzka selbiges verarztet. Und wer einen Juretzka mit weniger Toten will, kann immer noch zu der Rockergang-Story "Der Willy ist weg" greifen, die erst wie eine Harley lostuckert, um dann mehr und mehr aufzukreischen wie eine XT 500.

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Fallera von Jörg Juretzka, 2001, Rotbuch-Verlag2.)

Fallera.
Roman von Jörg Juretzka (2001, Rotbuch).
Besprechung von ebai in der Frankfurter Rundschau, 27.7.2002:

Alpenglühn

Fallera heißt der Krimi von Jörg Juretzka, und man ahnt schon: Es könnte lustig werden. Bei der fröhlichen Bergwanderung sind dabei: Sechs Häftlinge, drei Behinderte, zwei Betreuer, ein Bergführer und Privatdetektiv Kristof Kryszinski. Der hofft, als V-Mann bei dieser ungewöhnlichen Resozialisierungsmaßnahme ein paar leicht verdiente Scheinchen einzustecken. Doch der bizarren Truppe ergeht es im Hochgebirge wie den zehn kleinen Negerlein: Einer nach dem andern beißt unter dubiosen Umständen in den Schnee. Kryszinski wird mulmig zu Mute, zumal ihm langsam Tabletten, Alkohol und Zigaretten ausgehen. Als der Ruhrpott-Ermittler endlich hinter das System des finsteren Treibens kommt, ist es fast schon zu spät. Juretzka lässt in Fallera - dem vierten Krimi mit Privatermittler Kryszinski - die Alpen glühn. Die ziemlich verrückte, ziemlich schwarzhumorige Geschichte ist wie die Höhenluft der Schweizer Alpen: atemberaubend.

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Fallera von Jörg Juretzka, 2007, Mediathek3.)

Fallera.
Roman von Jörg Juretzka (2007, Mediathek/KLartext)
Besprechung von Jens Dirksen aus NRZ vom 8.6.2007:

Im Frühklau zu Berge
Der ruhrende Detektiv Kryszinski im Auslandseinsatz: Jörg Juretzkas Krimi "Fallera".

Eigentlich geht das ja gar nicht: ein Krimi, bei dem man alle Naselang kichern und glucksen muss - das wird in einschlägigen Kreisen mit Aufmerksamkeitsentzug nicht unter fünf Jahren bestraft. Bei Jörg Juretzka geht das aber doch, und nicht zuletzt deshalb ist der Mann aus Mülheim 2006 für seine Kryszinski-Krimis mit dem Literaturpreis Ruhrgebiet dekoriert worden. Juretzka gilt wegen seines eiswürfelkühlen Stils nicht ganz zu unrecht als "Chandler des Reviers". Aber während man sich Philip Marlowe fast nur mir zusammengezogenen Augenschlitzen vorstellen darf, kann man sich bei Kristof Kryszinski des Eindrucks nicht erwehren, dass da ständig gezwinkert wird. So stolpert der Privatdetektiv aus blanker Not, nachdem er zunächst ebenso üble wie nervenzerfetzende Bekanntschaften mit dem Rotlicht-Milieu von Amsterdam und dem braunen Sumpf von Mülheim gemacht hatte, nun also ins Gebirge. Er muss nicht nur mal raus aus seinem Revier, er muss vor allem raus aus seiner Gewohnheit, alle erdenklichen legalen Drogen bedenkenlos und vor allem durcheinander zu konsumieren.

Wie das geht? Kryszinski wird als Betreuer einer Reisegruppe aus Behinderten und sieben Kriminellen auf eine nicht ganz unriskante Bergtour in die Alpen geschickt, ein eigenwilliges Resozialisierungs-Projekt, das offenbar auf einer Verschwörung zwischen Sozialarbeitern, Suchtmedizinern und Kommissar Menden beruht, der Kryszinski ja schon immer auf dem Kieker hatte.

Die einsame Berghütte entwickelt sich peu a peu zu einer Mischung aus Irrenhaus und Gefängnis, in dem Kryszinskis alte Basketballschuhe nicht das einzig Lachhafte bleiben. Doch dann gibt es den ersten Toten, einen zweiten... und einen äußerst furiosen Showdown am Ende - versprochen!

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