Exit Ghost von Philip Roth, 2008, Hanser1.) - 2.)

Exit Ghost.
Roman von Philip Roth (2008, Hanser
- Übertragung Dirk van Gunsteren).
Besprechung von Wolfram Schütte aus dem titel-magazin vom 29.2.2008:

GAU im Peniden-Universum - Philip Roths Zuckerman-Vertreibung: "Exit Ghost"
In seinem 28. Roman bereitet Philip Roth seinem alter ego Nathan Zuckerman ein New Yorker Endspiel. “Exit Ghost” ist ein geisterhafter Kehraus aller Themen & Obsessionen des 75jährigen amerikanischen Autors.

Nathan Zuckerman, Philip Roths mehrfach als gleichaltriger Selberlebensbeschreiber dienstbares alter ego, begegnete seinen Lesern zuletzt 2000 als impotenter Erzähler und Kommentator der Lebens- & späten Liebesgeschichte des einundsiebzigjährigen, Viagra gestützten Altphilologen Coleman Silk mit der jungen Melkerin Faunia, deren sympathisierender Beicht-Zeuge & erzählend Beteiligter der zurückgezogen in Neu-England lebende fiktive Schriftsteller 1998 wurde, als sich das bigotte Amerika über Bill Clintons Affäre mit einer Praktikantin den Mund zerriss. Der grandiose Roman Philip Roths hieß “Der menschliche Makel“ . Seither hat er keinen dichteren geschrieben. Außer der unchronistischen Jugendphantasie einer faschistischen “Verschwörung gegen Amerika“ (2005) waren es zwei bittersüße, schmale Endspiele “Das sterbende Tier“ (2003) & “Jedermann“ (2006), bei denen der Tod, die Zerstörung des Fleisches und seiner Lüste, das Zepter führte. Unverkennbare “Alterswerke”, gezeichnet von der Angst finaler Krankheiten.
Seinen Nathan Zuckerman aber hatte der Autor in der abgelegenen ländlichen Klause der Berkshires buchstäblich sitzen gelassen, weil Roth, der selbst dort lebt, sich von Zuckermans “reduzierter Perspektive eingeengt” fühlte. Erstaunlich war immerhin, dass die Impotenz des alter egos - durch eine Prostataentfernung - so sang- & kla(n)glos, nämlich zwischen zwei Büchern von seinem Schöpfer verordnet, über die Bühne der erotischen Welterfahrung Philip Roths ging. Immerhin ist die irreparable Impotenz der GAU im penidischen Universum des amerikanischen Schriftstellers.

Mit “Exit Ghost” stellt sich Philip Roth nun diesem GAU: Er schickt Zuckerman, der elf Jahre in der Abgeschiedenheit Neu Englands weiterhin seine Bücher geschrieben und “seit dem Attentat vom 11. September nur noch selten eine Zeitung gelesen oder eine Nachrichtensendung gesehen” und “ohne ein Gefühl des Verlusts aufgehört hatte, ein Bewohner der großen Welt oder auch nur des gegenwärtigen Augenblicks zu sein”: - er schickt seinen “Rip van Winkle”, kurz vor der deprimierenden Wiederwahl George Bush Jr., nämlich am 28. Oktober 2004, nach New York, wo der zeitweilig der Welt abhanden Gekommene sich gehörig über den massenhaften Handyismus auf den Straßen empört.

Zum einen erhofft sich der berühmte einundsiebzigjährige Schriftsteller durch einen urologischen Eingriff in einer New Yorker Spezialklinik, von der Inkontinenz seit seiner Prostataextraktion weitgehend befreit zu werden; zum anderen erfüllt er die letzte Bitte eines “treuen Freundes“, der sich als Krebskranker umgebracht und in einem Abschiedsbrief Nathan beschworen hatte, “nicht mehr so isoliert weiter zu leben: In dieser großen weiten Welt darf man nicht allein sein. Man darf nicht ohne Kontakt mit allen anderen sein”.

Also: zurück “ins Leben”, weg von den einsamen Schreibtisch-Fiktionen, hin zum wieder “Erleben” - auf der Suche nach neuem “Stoff”. “Exit Ghost” ist auch, wenn nicht sogar vornehmlich: ein Roman über die Bedingungen der Möglichkeit, “Schriftsteller” zu sein, bzw. es im Alter mit seinen physischen Beschwerden und psychischen Einschränkungen, doch noch zu bleiben.

Begegnung mit der Ruine einer Vergangenheit

Kaum hat Nathan den (erfolglosen) Eingriff über sich ergehen lassen und sein altes italienisches Restaurant frequentiert, wo man ihn wiedererkennt, sieht Zuckerman aber Amy Bellette, besser die Ruine der jungen Frau, die er 1956, ebenfalls als junger Mann, bei dem von ihm verehrten älteren Schriftsteller E.I. Lonoff zum ersten und einzigen Mal getroffen hatte.

Damit schlägt Philip Roth den Bogen zu seinem 1979 erschienenen Zuckerman-Roman “The Ghost-Writer”, in dem dieser die junge jüdische Norwegerin als überlebende Anne Frank imaginiert hatte, zugleich aber Zeuge wurde, wie sie als Geliebte des alten Lonoff dessen Ehefrau Hope aus dem Haus vertrieben hatte. Ein paar gemeinsame Jahre hatten die beiden Liebenden noch, bevor Lonoff an Leukämie starb, ohne noch etwas publiziert zu haben.

Was Nathan jetzt aber, fast 50 Jahre später, aus den Augenwinkeln verschwiegen wahrnimmt, ist das ärmliche Wrack einer Gehirntumor-Patientin mit halb rasiertem Schädel, einer Operationsnarbe und zu einem Zopf gebundenem grauen Resthaar: ein Schreckgespenst des physischen Verfalls.

Kurz darauf erwirbt er (assoziativ) in einem Antiquariat die Gesamtausgabe von Lonoffs Kurzgeschichten, die er zwar zuhause hat, aber nun hier sofort noch einmal lesen will. Auch hat er sich zum erstenmal seit langem wieder ein “New York Review of Books” gekauft und war dort auf eine Anzeige gestoßen, die ihn spontan elektrisierte: Ein Schriftstellerehepaar, Anfang Dreißig, suchte sofort ein Haus in ländlicher Umgebung für ein Jahr und bot im Tausch seine gemütliche 3 Zimmer-Wohnung in der Upper West Side an. Das wäre doch seine Chance, ins New Yorker Leben zurückzukehren!

Als sei diese Anzeige “explizit für mich bestimmt” und ein “ganz und gar von Absicht erfüllter Zufall”, ruft Nathan bei dem Paar an und verabredet seinen Besuch für den gleichen Abend. Während er noch die Watteeinlage in seiner Plastikunterhose auswechselt, um nicht durch Uringeruch bei den jungen Kollegen aufzufallen, mutmaßt ein kundiger Leser, dass Philip Roth sich erzählerisch einen “private joke” mit dem Schriftstellerehepaar Paul Auster/Siri Hustvedt und Austers Obsession von der lebensentscheidenden Rolle der Koinzidenzen erlaubt - einer “Musik des Zufalls” (Auster), mit der “Exit Ghost” in der Folge auf das Aberwitzig-Subtilste von Philip Roth komponiert wird.

Auftritt eines biografischen Schnüfflers nach dem “Menschlichen Makel”

Denn kurz nachdem Nathan das sympathische Paar Billy (Davidoff) und Jamie (Logan) besucht hat, setzt ihm ein Unbekannter zu. Es ist der zudringlich-sportive Kliman, ein Studienkollege und Liebhaber (?) Jamies, die ihm Zuckermans Hotel-Adresse verraten hatte. Denn Kliman will eine skandalisierende Biografie des vergessenen E. I. Lonoff schreiben. Von dem Möchtegernbiografen erfährt Zuckerman aber die Adresse Amy Bellettes, die er daraufhin in ihrer heruntergekommenen Bleibe aufsucht, wo sie ihn bittet, Klimans Biografie zu verhindern. Eine Bitte ganz in seinem Sinne: denn er hasst den jungen Schnüffler, der ein “Geheimnis” aus Lonoffs Kindheit zum skandalisierenden Zentrum seines Buches machen will, nachdem er auf ein unpubliziertes Roman-Manuskript Lonoffs gestoßen ist, in dem dieser von (s)einem “menschlichen Makel“ erzähle.

So fügt sich eins ins andere, und während mit dieser erzählerischen Verknüpfung die ferne Vergangenheit wiederkehrt, hat den alten Nathan Zuckermann sofort brennendes Begehren nach der dreißigjährigen, schönen, intelligenten, “großbusigen” Jamie erfasst, die nach dem deprimierenden Wahlerfolg Bushs in ihrer Hilflosigkeit und Angst umso verführerischer auf den nach langjähriger Askese wieder erwachten Don Giovanni i.R. wirkt.

Zuckermans “Geheimnis” und letzte Lebensbeichte

Der Geist des sexuellen Begehrens ist also wieder willig, doch das Glied bleibt schlapp; und Nathan - in erotischer Rage wie eh & je - “empfand die bittere Hilflosigkeit eines der Lächerlichkeit preisgegebenen Mannes, der nichts so sehr ersehnte, wie wieder vollständig zu sein“. Aber nur er, den im Alter immer noch der erotische Ruf seines bekannt verruchten Oeuvres begleitet, - nur er kennt seine irreparable Impotenz, sein intimstes Geheimnis an seiner intimsten Stelle.

Erst “in diesem Buch”, von dem er einmal in Erwägung zieht, es “ganz unverblümt Ein Mann in Windeln zu nennen”, wird er dieses letzte Geheimnis über “einen, der weiß, wohin er zu gehen hat, um seine Qual zu erleben, und dann dort hingeht”, literarisch preisgeben. “Exit Ghost” ist also Zuckermans letzte Lebensbeichte.

Aber es ist nicht nur die Qual eines erotischen Begehrens, das sexuell nicht mehr erfüllbar ist und das Zuckerman sich in seinem Hotelzimmer als erotische Dialoge zwischen ihm und Jamie erdichtet (also literarisch sublimiert), was ihm während dieser knappen Woche in New York zustößt.

Philip Roth hat seine Geisterbeschwörung Zuckermans, den er damit von der Bühne abtreten und zuletzt gespenstisch verschwinden lässt (“Exit Ghost“), auch dazu genutzt, sich und seiner Generation einen kleinen, grotesken Totentanz in der ihm befremdlich gewordenen Gegenwart zu schreiben - ironisch, vexierhaft und mit satirischer Verve. Er tut es gewissermaßen novellistisch, wenn er Zuckerman sowohl neugierig und begehrend als auch melancholisch-erinnernd zum Medium des “gegenwärtigen Augenblicks“ macht, in dem ihn einige “unbesonnene Augenblicke” im befremdlichen New York zugestoßen sind (wie das erste & letzte Kapitel heißt).

So lässt sich der unerlösbare Liebhaber von Billy Davidoff ausführlich erzählen, wie die aus reichster, Bush naher Texanersociety stammende Jamie Logan ihre Schriftsteller-Ehe mit dem von den Eltern verachteten Juden sich erkämpfte. Am Küchentisch mit der todkranken Bellette erfährt er zum einen etwas von der stolzen Liebe der jungen Frau für den “einzigartigen” älteren Mann, zum anderen aber, dass die dem Holocaust entkommene Frau nie ihrer Kindheit der Angst und dem Schrecken der Geschichte entkommen ist. Und Kliman kann ihn widerwillig doch noch zu einem Gespräch gewinnen, weil er ihm von der Beerdigung George Plimptons berichtet - einem einst von Zuckerman bewunderten großen Journalisten, Schriftsteller und Zeitschriftenherausgeber, der seine (i.e. Philip Roths?) erste Erzählungen publiziert hatte, als keiner sie wollte und der 2003 überraschend an einem Herzinfarkt in seinem Bett gestorben ist - ohne dass das der Eremit Zuckerman es erfahren hatte, der ihm nun, sich erinnernd, einen liebevollen Nachruf schreibt.

Exit eines glücklichen Literatenlebens

George Plimpton, der deutschen Lesern so unbekannt ist wie eine fiktive Person gleich E.I. Lonoff, aber für Philip Roths Generation und seine amerikanischen Leser ein realer Begriff für literarischen Journalismus war, hat in diesem Defilee der Vergangenheit im Zwielicht der jüngsten Gegenwart die Funktion, als Abbild eines geglückten & glücklichen, nicht-jüdischen & “geheimnislosen” Literatenlebens zu fungieren.

Aber im Zentrum dieses erzählerischen Merry-go-rounds steht der zu einer letzten erotischen Euphorie auferweckte impotente Zuckerman, der auch schon wegen seiner altersbedingten Fahrig- & Vergesslichkeit hinreichend Grund sieht, selbst an seiner literarischen Potenz zu zweifeln und sich um seinen Nachruhm sorgt, wenn er - wie im Falle Lonoffs - sich der “Inquisition eines Biografen ausgeliefert” sieht: “An den Mann, der die Herrschaft über die Worte hat, der sein Leben lang Geschichten erfunden hat, erinnert man sich nach seinem Tod, wenn überhaupt, dann nur wegen einer Geschichte, die ein anderer über ihn erfunden hat”.

Müssen wir nach diesem jüngsten Roman des fünfundsiebzigjährigen Philip Roth aber auch an seiner literarischen Potenz zweifeln? Ein “Meisterwerk” ist dieser Kehraus fast aller in Roths Oeuvre durchgespielter Themen & Obsessionen nicht. Aber Alterswerke haben es an sich, oft nur noch skizzenhaft das eingespielte Repertoire zu einem Geisterreigen zu versammeln - wie z.B. Fontanes “Stechlin”, Heinrich Manns “Der Atem“ oder jetzt Philip Roths “Exit Ghost“.

Immer wieder blitzt darin die Brillanz & der Witz von Roths erzählerischem Voltigieren auf; aber das raffinierte Spiel mit der Phantasie und der Dialektik von Lüge und Wahrheit wird verschattet von der Penetranz einer wohl nicht nur Zuckerman heimsuchenden Angst des Schriftstellers, nach seinem Tode dem gefräßigen Kannibalismus des antiliterarischen biografistischen Kulturjournalismus zum Opfer zu fallen. “Wir Menschen, die lesen und schreiben, sind am Ende”, hat der Geist Lonoffs der verwirrten Amy Bellett angeblich in die Feder diktiert: “Wir sind Geister, die das Ende des Zeitalters der Literatur erleben”.

Wird dieser Kulturpessimismus durch Zuckermans spätes Eingeständnis angesichts des “zutiefst respektlosen, hitzigen Kliman” relativiert, wenn er in dessen “schönen Augen mit dem fanatischen grünlichen Schimmer” einen “Literaturverrückten” erkennt: “Noch einer. Wie ich, wie Lonoff, wie jeder, dessen größte Leidenschaft einem Buch gilt”? Jedenfalls wird der alte Zuckerman weder einen Blick in Lonoffs unveröffentlichten Roman werfen, den Kliman ihm vor die Füße geworfen hat, noch dem Biografen behilflich sein - sondern den “wenig länger als eine Woche dauernden Aufruhr von New York“ fluchtartig verlassen und in seine Berkshires-Eremitage zurückfahren, wo er, “bevor mein nachlassendes Gedächtnis mich vollends im Stich lässt“, die ultimative Szene seiner imaginären Dialoge mit seiner letzten leidenschaftlichen geliebten Jamie erfindet. Während diese von seiner telefonischen Verführungskraft noch einmal eroberte “Zerlina” seinem Hotelzimmer zueilt, macht sich der impotente “Don Giovanni” aus dem Staub: “so schnell er kann, löst er sich auf”. Ein Geist verlässt die Bühne “für immer”. Finis des Zuckermanschen “Dramma giocoso“ - unter dem, auf andere Art, etwas flüchtigen Dirigat von Maestro Philip Roth.

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Exit Ghost von Philip Roth, 2008, Hanser2.)

Exit Ghost.
Roman von Philip Roth (2008, Hanser
- Übertragung Dirk van Gunsteren).
Besprechung on Jens Dirksen in der NRZ vom 18.3.2008:

Philip Roth und die Läuse der Literatur
Der große amerikanische Romancier wird heute 75 Jahre alt - und regelt mit "Exit Ghost" schon einmal seinen Nachlass.

Man kann "Exit Ghost", den neuen Roman von Philip Roth, auch als sachten Knuff für die Herrn vom Nobelpreis-Komitee lesen. Sie mögen sich doch ein bisschen beeilen. Roth, der heute 75 Jahre alt wird, ist mit diesem Buch nämlich schon dabei, sich präpostum mit seinen Biografen von morgen herumzuschlagen. Jenen Pseudo-Literarhistorikern, die jeden Winkel seines Lebens nach Skandalen und Fehlbarkeiten durchwühlen - "er wird übel in den Schmutz gezogen werden von den moralistischen Tugendbolden, den feministischen Predigerinnen, der übelkeitserregenden Überlegenheit der Läuse der Literatur", heißt es in dem Roman einmal über einen toten Schriftsteller, dem eine solche aufdeckungswütige Biografie droht.

Seltsam, immer gibt es irgendwas zu reden

Mit "Exit Ghost" ist Nathan Zuckerman wiedergekehrt, die Figur, in der sich Philip Roth mehr als in jeder anderen selbst gespiegelt, verlängert, profiliert hat, ausgerechnet. Der Schriftsteller Zuckerman, seit elf Jahren draußen auf dem Land, kehrt zurück nach New York - eine neue Operationsmethode gegen Inkontinenz lockt ihn dahin. Sie weckt Hoffnungen, die er sich fast verzweifelt wieder ausredet, und sie weckt seine alten Schürzenjäger-Instinkte, als die schöne junge Autorin Jamie auftaucht.

In deren Windschatten stellt sich allerdings auch die erwähnte Art von Literaturlaus ein, eine Fleisch gewordene Unverschämtheit, eine Profilneurose mit menschlichem Antlitz. Und ein überzeugendes Plädoyer für die alte Weisheit, dass das, was Schriftsteller sagen wollen, in ihren Büchern steht und nicht in ihren Geburtsurkunden, Scheidungsdokumenten oder Liebesbriefen.

Ja, ausgerechnet der seit zwei Jahrzehnten oft mit autobiografischen Motiven spielende Roth, der auf seiner abgeschiedenen Farm in Connecticut die Ruhe für ausgeschlafene Romane findet, reklamiert die Autonomie des Werks, sein Recht, auch ohne Ansehen seines Autors wahrgenommen und verstanden zu werden.

Die schönsten Szenen dieses Romans sind aber die, in denen der aus allen Wolken seiner ländlichen Abgeschiedenheit gefallene Zuckerman feststellt, wieviel sich in elf Jahren verändert hat. Dass etwa jedem, aber auch jedem New Yorker auf der Straße ein Handy ans Ohr gewachsen ist - das lässt in ihm unweigerlich die Frage aufsteigen, was es denn wohl so viel mehr zu besprechen gibt als noch vor elf Jahren, als die Menschen ohne diese Telefone über die Straßen gingen.

Am Ende wird ein überaus durchdachter und doch eleganter Roman draus. Er kreist um die Würde, die einer im Angesicht des Todes noch wahren kann, die Würde der letzten Meter, die mehr Kraft kostet als alle zuvor. "Es gibt nur ein Rezept gegen das Altern", hat Philip Roth jüngst in einem Radio-Interview gesagt: "Die Verluste hinnehmen und das Beste aus dem machen, was uns noch bleibt." Wahrscheinlich tröstet Roth sich mit Joyce, Brecht, und Döblin, mit John Updike und William Gaddis, mit Alain Robbe-Grillet und George Orwell. Die haben schließlich den verdienten Nobelpreis auch nicht bekommen. (NRZ)

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