Es hätte mir genauso.
Roman von Ali Smith (2012, Luchterhand Literaturverlag).
Besprechung von Britta Heidemann in der WAZ vom 6.11.2012:

Drinnen hinter der Tür
Die Britin Ali Smith schließt im Roman „Es hätte mir genauso“ ihren Helden ein – und ihren Lesern eine Welt auf. Auch zwei deutschsprachige Autoren erzählen von Menschen, die der Welt die Tür vor der Nase schließen.

Einfach die Tür zumachen, die Welt draußen lassen, sich unsichtbar machen: doch, die Idee hat ihren Reiz. Dass allerdings bereits der dritte Roman in diesem Jahr das Phänomen des radikalen Stubenhockertums untersucht, erstaunt dann doch. Nach den jungen deutschsprachigen Autoren Milena Michiko Flašar und Kevin Kuhn macht nun die Schottin Ali Smith einen entschlossenen Türschließer zum unsichtbaren Helden ihrer Geschichte.

Wie auch Flasar und Kuhn verortet Smith die Rückzugsgründe ihres Helden in der privaten Vergangenheit. Andererseits stellt sie durchaus die Frage, wie privat unser Privatleben eigentlich ist, wie sehr unsere Biografien geprägt sind vom Außen. Miles Garth hat sich eingesperrt im Gästezimmer von Leuten, in deren Haus er nur zufällig stolperte, ein flüchtiger Bekannter hatte ihn mitgebracht zur Dinnerparty. Was treibt ihn nur?

Um das verschlossene Zimmer herum gruppiert Ali Smith Menschen, die ihre je eigene Geschichte erzählen: eine junge Frau, die keinen Platz findet im Leben. Einen Mann, dessen Mutter aus dem Jenseits zu ihm spricht. Eine alte Dame im Seniorenheim, mit deren Tochter Miles einst befreundet war, und die Tochter hat sich umgebracht und vielleicht ist Miles deshalb so durcheinander. Ein Nachbarsmädchen, das aus allem ein Wortspiel macht.

Die Nullmeridiane des Lebens

Wie und warum Miles das Leben dieser Menschen berührt, offenbart sich oft spät; am Ende aber stehen wir staunend vor einem Geflecht von teils surrealen Geschichten, Hinweisen und Andeutungen. Das Haus, in dem Miles sich einschloss, steht in Greenwich unweit des Null-Meridians. Smith erzählt uns nicht nur ausführlich von der Historie dieses Ortes, sondern auch davon, wie schwer es ist, die eigenen Koordinaten im Leben zu finden.

In ihrer Heimat ist die Ali Smith längst eine feste Größe, für den vorigen Roman „Die Zufällige“ erhielt sie den Preis fürs beste britische Buch. Hierzulande gilt sie als Geheimtipp – noch.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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