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Er ist wieder da von Timur Vermes, 2012, EichbornEr ist wieder da.
Roman
von Timur Vermes, (2012, Eichborn).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 19.10.2012:

Timur Vermes – "Er ist wieder da"
"Er ist wieder da": Mit spitzen Fingern greift man den Roman an. Denn gemeint ist Hitler. Hitler wacht orientierungslos in einem Berliner Hinterhof auf und ruft um Hilfe: "Wo ist Bormann? Bormann!"

"Wie siehta’n aus?"

"Wie ein Reichsleiter, zum Donnerwetter!"

Er wird für einen Schauspieler gehalten und will seine stinkende Uniform waschen lassen. Er sieht ein Schild: "Blitzreigung’s-Service Ylmaz".

Das kommt für ihn etwas unerwartet.

Man steckt Hitler in Jeans und stellt ihn auf die TV-Bühne einer Comedy-Show. Dort wettert er und hat bald Fans.

Hitler erzählt selbst. Ein gefährliches Terrain. Wie kann der Autor die Hetzreden einbremsen? Einmal muss Hitler kurz ins Spital. Eine Krankenschwester tritt an sein Bett: "Ich wollte nach dem Rechten sehen."

"Däm gäht’s goot!"

Man ertappt sich beim laut Vorlesen in diesem erschreckenden Ton – und geniert sich sofort dafür; aber gleichzeitig verliert die Satire des deutschen Journalisten Timur Vermes (der Geschichte studiert hat) den Witz.

Denn Hitler stellt sich gut auf die neue Welt mit YouTube und Handy ein. Hat man ihm diesmal etwas entgegenzusetzen?

Timur Vermes hat erreicht, was er wollte: Es wird kalt beim Lesen. Es wird braun im Leben. Man misstraut den Menschen.

KURIER-Wertung: **** von *****

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2.)

Er ist wieder da von Timur Vermes, 2012, EichbornEr ist wieder da.
Roman
von Timur Vermes, (2012, Eichborn).
Besprechung von Steffen Radlmaier in den Nürnberger Nachrichten vom 20.10.2012:

Adolf Hitlers erstaunlicher Lacherfolg
Roman-Satire „Er ist wieder da“ des Nürnberger Timur Vermes

Nürnberg/ Köln - Der aus Nürnberg stammende Autor Timur Vermes (Jahrgang 1967) hat mit seinem Romandebüt einen verstörenden Bestseller gelandet: Die Hitler-Satire „Er ist wieder da“ steht kurz nach Erscheinen bereits auf Platz 9 der Spiegel-Bestsellerliste. Tendenz steigend.

Die Frage ist so alt wie Adolf Hitler selbst: Darf man mit dem Diktator und Massenmörder Schabernack treiben? Timur Vermes meint, warum nicht? Und weiß sich dabei in der guten Gesellschaft von Charlie Chaplin, Ernst Lubitsch, Mel Brooks, George Tabori, Helge Schneider und Walter Moers.

Die Ausgangsidee dieser Satire ist simpel: Hitler erwacht im Jahr 2011 auf einem Grundstück in Berlin-Mitte – und versteht die Welt nicht mehr. Der Inhaber eines Zeitungskiosks bietet dem Mann mit der verschmutzten Uniform Hilfe an. Dass er wirklich Adolf Hitler ist, glaubt ihm kein Mensch. Man hält ihn für einen abgedrehten Comedy-Künstler und ziemlich schnell wird er vom Fernsehen entdeckt.

Der Trick von Timur Vermes besteht darin, dass er Hitler als Ich-Erzähler einführt, den Leser also quasi im Kopf des „Führers“ platziert. Hat er keine Angst, dass er damit eine ähnliche Diskussion lostritt wie Jonathan Littell mit seinem Roman „Die Wohlgesinnten“, der aus der Perspektive eines SS-Mannes erzählt wird? „Ich halte Hitler nicht für eine Witzfigur“, erläutert Timur Vermes. „Wir lachen in dem Buch nicht über Hitler, sondern mit Hitler. Ich wollte einen möglichst echten Hitler – und der ist wendiger und charmanter als die meisten Leute glauben. Jedenfalls ist er nicht das Monster oder der Idiot, wie wir ihn gerne hätten.“

Vom schnellen Erfolg seines satirischen Romans, der auch als Hörbuch (gelesen von Christoph Maria Herbst) erschienen ist, ist Timur Vermes selbst überrascht. „Einen Bestseller kann man nicht planen“, sagt der ehemalige Journalist, der 1967 in Nürnberg als Sohn einer Deutschen und eines Ungarn geboren wurde. In Erlangen studierte er Geschichte und Politik, bevor er für Boulevard-Zeitungen und verschiedene Magazine arbeitete. Seit etlichen Jahren lebt Vermes in München und hat inzwischen vier Bücher als Ghostwriter geschrieben.

„Er ist wieder da“ erscheint bereits in der zweiten Auflage, insgesamt 50000 Exemplare sind gedruckt. Auch das Ausland interessiert sich für die bitterböse Hitler-Satire: Die Buchrechte sind nach England, Dänemark, Holland, Italien, Spanien und Norwegen verkauft.

„Der Verlag hat sich wirklich ins Zeug gelegt“, betont Timur Vermes anerkennend. „Der Buchhandel musste erst überzeugt werden, denn Hitler ist natürlich immer ein heikles Thema.“ Der von Bastei-Lübbe übernommene Eichborn-Verlag hat den Spitzentitel als doppeldeutigen Werbespruch für sein eigenes Comeback genutzt: „Er ist wieder da“.

In dem Roman – Verkaufspreis: 19,33 (!) Euro — macht sich Hitler Gedanken über das heutige Deutschland und die modernen Zeiten. Er wundert sich darüber, dass es so viele Türken in Berlin gibt, lässt sich von den Vorzügen des „Internetzes“ überzeugen und nutzt seine schnell wachsende Popularität geschickt für sich aus. Die von Einschaltquoten getriebenen Medien bieten dem unverbesserlichen Ver-Führer, seinem Sendungsbewusstsein und seinen abstrusen Ideen ein Forum, von dem er im Dritten Reich nur träumen konnte.

Dass ausgerechnet die Bild-Zeitung gegen den unaufhaltsamen Aufstieg des braunen Hasspredigers kämpft, ist ein besonders böser Clou des Buches. Timur Vermes freut sich diebisch: „Mancher Leser wird sich bei dem erschreckenden Gedanken ertappen: Jetzt bin ich gegen die Bild-Zeitung, aber für Hitler. Wer hätte geglaubt, dass man ein ganzes Buch im Kopf von Hitler verbringen und dabei Spaß haben kann?“

Ein Gedankenexperiment

Für einen geschmacklosen Scherz hält Timur Vermes sein Buch nicht. Eher für ein Gedankenexperiment: „Angenommen Adolf Hitler würde heute wieder auftauchen, was könnten wir ihm entgegensetzen?“

Vermes räumt aber ein, dass die ältere Generation ganz anders auf sein Buch reagiert als junge Leute. „Je näher die Leute an der historischen Wahrheit sind, desto weniger sehen sie den Gag, sie erkennen aber das Doppelbödige an der Geschichte. Je älter die Leute sind, desto schwerer sind sie über das Lachen zu korrumpieren.“ Das Lachen bleibt dem Leser am Ende im Halse stecken.

Hitler, dem man seine über 120 Jährchen nicht ansieht, lässt sich Wahlplakate mit dem zynischen Motto entwerfen: „Es war nicht alles schlecht.“

Die komplette Rezension mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten.

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