Engel im Abseits.
Erzählungen von Zoran Feric
(2000, Folio - Übertragung Klaus Detlef Olof).
Der Dreck und die Wunder
Die verzweifelt komischen Erzählungen des
kroatischen Autors Zoran Feric
Wer in diesen Formulierungen des Kroaten Katholisches erkennt, muss nicht falsch liegen. Ferics Religion ist erdnah und diesseitig; seine poetische Alchimie gewinnt den Glauben an Wunder und Engel aus einer unbestechlichen Betrachtung der grotesk-makabren Seiten der Realität. Dem Grauen, wenn sich im serbisch-kroatischen Krieg zwei Gruppen Soldaten heimlich bei gekochtem Fisch verbrüdern, der mit Menschenfleischködern gefangen wurde. Dem Ekel, wenn ein behindertes Mädchen seinem Vater Geld zum Trinken verschafft, indem es ihm seine gebrauchten Höschen zum Verkauf in einem Pornomagazin überlässt. Und immer dem Schrecken, hinter dem das Lachen, die Befreiung durch Unverschämtheit wartet. Feric zeichnet die abstrusesten Normalitäten des Alltags auf; er muss uns nur ins Wartezimmer einer Aids-Ambulanz oder auf eine Beerdigung führen, und die grausamste Misere zeigt im Licht seiner menschenfreundlichen Ironie ihre "märchenhaften Vorräte an Unglaublichem". Denn, wie es am Anfang der Titelgeschichte heißt: "Die Welt ist zum Glück so eingerichtet, daß selbst der Geruch von Hundedreck schöne Erinnerungen wachrufen kann."
So prall diese Geschichten auch vom Vögeln, Kacken, Saufen und Sterben sprechen, sie finden Hohlräume in der heillosen Wirklichkeit wie die Haselnüsse im Kinderleichenteig. Oft sind es nur Löcher in den Erzählungen, Ungesagtes, ab und zu aber zeigt ein Bild, wie der Stoff der Kunst im Banalen wohnt. Es ist der Schminkabdruck vom Gesicht einer verschwitzten Hure im Taschentuch des Kunden. Es ist das Landschaftsbild eines Malers, der Kot und Urin in die Farben mischt. Es ist die numinose forma amorfa, ein venezianisches Brandzeichen für Galeerensklaven, dem der Erzähler nachforscht - genannt die "rote Wolke", in Wahrheit jedoch ein schlichtes Stück Scheiße, das dem Renaissancekünstler beim Blick auf den Canale durchs Spiegelbild schwamm.
Zoran Ferics Erzählungen handeln von der schreienden Komik der menschlichen Tragödie, von der Vergänglichkeit, vom Körper. "Und die Seele?", fragt er am Ende der Erzählung Symmetrie eines Wunders. Die Antwort: "Über die Seele galt es gründlich nachzudenken. Es war interessant zu sehen, wie sich von Zeit zu Zeit das Wunder zeigte, maskiert hinter der schmutzigen Farbe des Chaos."
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