Emily, allein von Stewart O'Nan,2011, RowohltEmily, allein.
Roman von Stewart O'Nan (
2011, Rowohlt - Übertragung Thomas Gunkel).
Besprechung von Peter Pisa aus Kurier, Wien, vom 27.01.2012:

Stewart O’Nan – "Emily, allein" schockiert allein durchs Alltägliche

Fast immer ist es dramatisch, wenn übers Alter geschrieben wird; und wenn es um einen Mann geht, wird er bestimmt von einer jungen Frau geritten ...
Mit Emily aus Pittsburgh, Pennsylvania, ist es anders. Sie ist 80 und lebt mit ihrem arthritischen Hund Rufus.
Kann man sich, als männlicher Leser an die eigene Zukunft denkend, statt Emily einen Emil vorstellen? Der würde wahrscheinlich nicht so oft Kleenex-Tücher nachfüllen. Und: Würde ein Emil zu jedem Anlass Karten an Sohn, Tochter, Enkelkinder schicken?

Gemeinsam könnte sein: Man steht im Klo, das Papier ist aufgebraucht, man wirft irrtümlich die Stange der Halterung in den Mist und hält die leere Rolle fest.

"Emily, allein" ist der ganz gewöhnliche Alltag, der bevorsteht. Der aufs Unspektakuläre spezialisierte Amerikaner Stewart O’Nan hat ihn beschrieben. In allen Details. Für Unruhige sind es zu viele Details.

Er erzählt mit Gelassenheit von der Riesengemeinheit, alt zu sein. Alles verändert sich rundherum. Muss denn das sein? O’Nan ist beim Schreiben sehr auf Emilys Würde bedacht.
Sie genehmigt sich einstweilen ein Glas Wein, legt Bach in den CD-Player, gießt Blumen und streichelt den Hund.

Aber sie muss auch auf Begräbnisse gehen. Freundinnen sterben. Und sie ist hautnah dabei, als ihre Schwägerin im Restaurant umkippt, die schrecklichen Laute "Aaah, laaah!" rufend.

Emily trat schon in O’Nans Roman "Abschied von Chautauqua" (2002) auf. Damals war sie eben Witwe geworden. Sie lässt sich auch jetzt nicht gehen, kauft sich ein neues Auto, fährt los, verlässt die Routine.
Es gibt also Hoffnung.
Wenngleich der Roman gerade durch seine Banalitäten ein Schock ist. Andererseits: Die schockieren ja auch mit 20, 30, 40 ...

KURIER-Wertung: ***** von *****

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