Elsa ungeheuer von Astrid Rosenfeld, 2013, DiogenesElsa ungeheuer.
Roman von Astrid Rosenfeld (2013, Diogenes)
Besprechung von Birgit Ruf aus den Nürnberger Nachrichten vom 7.3.2013:

Von der Oberpfalz in die Glamourwelt der Kunst
Eines der schönsten Bücher der Saison: Astrid Rosenfeld ist mit „Elsa ungeheuer“ auf Lesetour in der Region

Die Frühjahrs-Buchsaison ist noch jung, doch der neue Roman von Astrid Rosenfeld gehört ganz sicher zu ihren wunderbarsten Hervorbringungen.

So möchte man schreiben können: federleicht und doch mit Tiefgang, witzig und locker und doch niemals platt, spannend, aber doch leise und ohne aufgeplusterte Action. Mit ihrem Debütroman „Adams Erbe“ hatte es Astrid Rosenfeld (Jahrgang 1977) vor zwei Jahren aus dem Stand auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft. Jetzt legt sie mit dem Roman „Elsa ungeheuer“ nach und belegt erneut ihr außergewöhnliches Gespür für Sprache und Storyaufbau.

Ihre neue Geschichte beginnt in einem kleinen Dorf in der Oberpfalz und endet in der glamourösen internationalen Kunstszene. Im Mittelpunkt stehen zwei Brüder, zu Beginn der Handlung elf und neun Jahre alt, deren wundersame Mutter sich mit einer rosa Unterhose auf dem Kopf vom Balkon stürzt. Zeitgleich mit dem tragischen Abschied von der Mutter machen die Brüder die folgenreiche Bekanntschaft mit der wilden zwölfjährigen Elsa, auch sie von ihrer Mutter verlassen, die lieber auf Weltreise geht.

Die kleine Rest-Familie bleibt auf dem Bauernhof zurück, wo auch Fremdenzimmer vermietet werden. Eines bewohnt auf Wunsch der verstorbenen Mutter weiterhin ein Esel. Ein weiteres gehört Herrn Murmelstein — genannt Murmeltier —, der die Kinder mit sehr speziellen Gutenachtgeschichten beglückt. Und wenn das Murmeltier jede seiner nächtlichen Flüsterstunden mit dem Satz „Gute Nacht, ihr herrlichen Kinder“ beendet, fühlt man sich unweigerlich an John Irvings großartigen Roman „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ erinnert, mit dem es Rosenfelds Buch locker aufnehmen kann

Mit leichter Hand schildert sie die eigenwilligen Charaktere in der Familie, dem Dorf und den späteren Wahlverwandtschaften der Brüder, die vor allem die wundersamen, starken Frauen anzuziehen scheinen. Wo andere Autoren eine gute Idee auswalzen, zündet sie ein Feuerwerk an Einfällen. Wer den Klappentext liest und dann den Roman beginnt, glaubt lange Zeit, im falschen Buch gelandet zu sein. Was aber nichts macht und daran liegt, dass die Erzählung über das Erwachsenwerden ganz geschmeidig in einen Kunstkrimi übergeht und gleichzeitig tragischer Liebes- und Familienroman bleibt. Selten hat man so schön über die Liebe zur Malerei und gleichzeitig so entlarvend über die Mechanismen des Kunstmarktes gelesen wie in diesem Buch, das so verrückt und unvorhersehbar ist wie das Leben. Beglückende Lektüre von einer Autorin, die hoffentlich noch viel schreibt!

Lesung morgen im Literaturhaus Oberpfalz, am 21. März in der Regensburger Buchhandlung Dombrowsky, am 9. April in der Stadtbücherei Würzburg und am 11. April im Nürnberger Literaturhaus (jeweils 20 Uhr).

Die komplette Rezension mit Abb. finden Sie unter Nürnberger Nachrichten

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