Elefant.
Roman von Martin Suter (2017, Diogenes).
Besprechung von LvG aus der WAZ vom 20.01.2017:

Ein rosa Elefant macht Suter nicht zur Lichtgestalt
Missraten von vorn bis hinten: Der Schweizer Erfolgsautor serviert einen Gen-Krimi zum Weglaufen

Wenn es nur eine von zwei Tugenden wäre, die einen Autor ausmachte, dann wäre es im Falle Suters wohl doch eher eine gute Geschichte als unvergleichliches Erzählen. Das bedeutet auf lange Strecke eindeutig das dünnere Eis. Mit „Elefant“ bricht der Autor völlig ein.

20 Zentimeter groß, ausgewachsen, fluoreszierend pink und die reine Realität (nach genlaboratorischer Mühe): Das ist also der Titelheld, ein rosa Elefant! Wie immer solche Variation über die große Sehnsucht nach dem Nicht-Existenten, über Menschen im Schöpfergewand und die Gier als größten Motor allen Erfindungsgeistes klingen könnten: Bei dem Schweizer ist es kaum mehr als ein Kinderkrimi geworden.

Böser Genforscher, eiskalter Chinese, rückgratloser Zirkusdirektor einerseits — andererseits herzensguter burmesischer Manegensklave, zum Tippelbruder verrutschter Fondsmanager (die erwartbarste aller Suter-Figuren also) und eine steinreiche Tierärztin mit Herz fürs Ärmste auf vier Beinen und auch zwei.

Worauf also Augsburgs Puppenkiste oder Enid Blyton einen Mehrteiler gebaut hätten, das ist Suters Fels. Das Elefäntchen, Spross einer Leihmutter im abgewrackten Zirkus, geht verloren, der Tippelbruder wird sein neues Herrchen. Es folgen putzige Versteckspiele alter Suter-Schubladen, Verfolgungsvolten auf Vorabendserien-Niveau, und allem voran offensichtlichstes Zurschaustellen kapitalistischer Niedertracht.

Uneleganzt und voller Plattheiten ist Suters Roman „Elefant“

All das fällt als so hässlich ungeschliffen auf, weil einem eben mehr noch auffällt, wie Suter die Sprache wegbröselt, wenn der Gegenstand windschiefe Kolportage ist. „Betrachtete sie die Menschen, für die sie sich sozial engagierte, insgeheim doch von oben herab?“, flüstert Suter seiner Elsa Brändström im Veterinärskittel ein. Da lacht man nicht mitleidig, man ärgert sich längst. Was für ein missratenes Buch!

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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