Eleanor Rigby von Douglas Coupland, 2006, Hoffmann & Campe

Eleanor Rigby.
Roman von Douglas Coupland (2006, Hoffmann & Campe - Übertragung Tina Hohl).
Besprechung von Ulrich Steinmetzger aus der NRZ vom 07.12.2006:

Graue Maus startet durch
15 Jahre nach "Generation X": Der neue tragikomische Roman von Douglas Coupland heißt "Eleanor Rigby", handelt aber von Elizabeth.

Ein Job ist ein Job ist ein Job." Elizabeth Dunn aus Vancouver macht ihren, wobei sie hinter brusthohen, salbeigrünen Stellwänden sitzt und etwas mit Computern und Exceltabellen tut. Ein Exzess ist das nicht. Wie auch sonst nichts in ihrem Leben, das sie vergisst, während es stattfindet. Liz ist 36 und die graue Maus schlechthin. Andere Frauen ab dreißig nehmen sie allenfalls als Warnung wahr. So wird man sein, wenn man nicht bald seine Trümpfe ausspielt: allein, korpulent und ohne Illusionen. Manchmal checkt Liz am Computer die weibliche Lebenserwartung und rechnet dann ihr eigenes Verfallsdatum aus. Dann denkt sie vorm Fernsehen darüber nach, wobei sie aus Plastikbechern oder Blechkonserven löffelt. Das hält den Verfall nicht auf. Aber es sieht ja keiner. Douglas Coupland ist älter geworden und seine Figuren sind es mit ihm. Generation X war 1991 und hatte das Herdenetikett geliefert für die vom Konsumwahn verstoßenen Kinder in Katerstimmung. Die Herde will weiterziehen - und tritt auf der Stelle. Mit dreißig ist man tot, um mit siebzig begraben zu werden, ohne dass viel passiert ist.

Und da fliegt ein Komet vorbei

Geändert hat sich, dass immer mehr Katastrophen den Hedonismus der zivilisierten Welt verderben: Umweltzerstörung, Radioaktivität, Aids. Wer lebt wie Liz Dunn, könnte dem in trägem Fatalismus entgehen. Aber die Welt lässt sie nicht in Ruhe. Gerade ist ein Komet an ihr vorbeigeflogen, da ruft ein Krankenhaus an. Ein zugedröhnter 20-Jähriger in Damenreizwäsche liege mit Prellungen und Schnittwunden auf der Intensivstation und gebe sich als ihr Sohn aus. Jeremy wird der reale Komet sein, der in ihr Leben einschlägt.

Sieben Jahre später ist alles ganz anders geworden und in einem Rückblick wird Liz ihre ganze Tragikomik hinschnoddern. Aber zu diesem Zweck muss erst mal um die halbe Welt. Mit einem russischen Reaktorteil in der Tasche legt sie den Frankfurter Flughafen lahm, in Wien therapiert sie den Mann ihres Lebens von der Psychoanalyse - und dann kann es noch romantisch werden.

Alles hängt mit allem zusammen, fluffig wie in einer Beatles-Melodie. "Wo kommen bloß all die einsamen Leute her?", hatten die gefragt, in einem Song, der diesem Roman seinen Titel gab. Liz Dunn ist also ein Prototyp. Und weil ihr Autor sie irgendwie mag, mag man dieses Buch - ein Stück gute Unterhaltung. (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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