Ekelöfs Nein von Anders Olsson, 2013, KleinheinrichEkelöfs Nein - der poetische Kosmos Gunnar Ekelöfs.
Werkausgabe von Anders Olsson (
2013, Verlag Kleinheinrich - Übertragung Klaus-Jürgen Liedtke).
Besprechung von Paul Alfred Kleinert, Berlin-Kreuzberg für die REZENSIONENwelt, VIII. 2013:

Anders Olsson  „Ekelöfs Nein   der poetische Kosmos Gunnar Ekelöfs“

Ekelöf zeigt ein intensives Interesse an seiner Vergangenheit, ohne daß sich dies in ein tatsächliches Studium verwandelte. Das Verhältnis des Träumers zur Kindheit strebt nicht nach Klarheit, einer Durchsichtigkeit der Vernunft, sondern vielmehr nach intuitiver Deutlichkeit und – mit Bachelard – „archetypischer Tiefe“, profundeur.

Ich will versuchen, zu dieser „Tiefe“ und den Elementen vorzudringen, die Ekelöfs dichterischen Kosmos bilden. Die intime Verbindung von Subjekt und Objekt macht es notwendig, dem Wechselspiel von Innerem und Äußerem, von Ich und Landschaft zu folgen. Die Landschaft wird zu einem Instrument für das Begehren, für das, was Ekelöf das in neutralem Sinne „Sentimentale“ nennt. [...]

Der poetische Traum ist somit ein schriftstellerisches, aktives Bewusstsein, in dem Fiktion  und sprachlicher Ausdruck in einem Prozeß zusammenwirken. [...] Gleichzeitig ist es ein „diffuses“ und entspanntes Bewußtsein, gesteuert von einer poetischen Einbildungskraft, was es deutlich von der normalen Wahrnehmung unterscheidet. Das Begehren verleiht dem poetischen Traum eine ausgeprägte Richtung auf das erstrebte Ziel hin, sei es – wie bei Ekelöf – das wahre „Zuhause“, das Meer als Archetyp oder die kosmische Mutter. Er wird getragen von einer Stimmung und diese Stimmung hat den Charakter eines Halbdunkels. Ausgezeichnet hat Bloch diese grundlegende Stimmung als eine Art Fluidum des Tagtraumes beschrieben: „Dieses Tagtraumwasser gehört zu jedem Tagtraum [...] derart bestätigt es sich: die hell-dunkle Stimmung gibt das Medium, worin alle Tagträume  [...]  beginnen.“

So Olsson in seinem im Frühjahr aaO. erschienenen Buch zum poetischen Kosmos Ekelöfs (S. 34f).

Mit dem Buch Olssons wird der ausgesprochen sorgfältig edierten und formschönen 7bändigen Werkausgabe Ekelöfs (1991-2004 fast durchgehend bilingual im Kleinheinrich Verlag Münster erschienen; Olsson hatte, enthalten in Band 6, das Nachwort beigesteuert) eine sich an der Biographie Ekelöfs orientierende und in weiten Teilen des Bandes poetische Beschreibung hinzugefügt, deren Erscheinen nur begrüßt werden kann.

Der Autor, Anders Olsson (*1949), selbst als Lyriker mit bislang 7 Gedichtsammlungen hervorgetreten* und seines Zeichens Professor für schwedische Literatur an der Universität Stockholm, leitet die Leser/innen behutsam entlang dem Werk und Lebensweg Ekelöfs und erreicht so eine unaufdringliche und damit um so eindringlichere Annäherung an das Werk. Diese mit intensiver Sprachgestaltung und psychoanalytischer Methodik vertraute Leitung ist es auch, die das Buch zu einem Gewinn für Leser/innen werden lassen, bei dem Orte und Sprachgegebenheiten entdeckt werden können und Ekelöf in einer Lesart dargeboten wird, die dem bislang gewonnenen Bild interessante und unbekannte Facetten hinzu fügt.

Schrieb Olsson in dem Gedicht  „es gibt einen Raum“ ** „es gibt einen Raum wo du die herzschläge eines anderen / wie deine eigenen hörst oder siehst“, so liest sich das Buch wie eine Verifizierung dieses Verses.

Wie alle im Kleinheinrich Verlag bislang erschienen Bücher ist auch dieser Band in buchtechnischer Hinsicht entsprechend gut gestaltet und genügt somit auch bibliophilen Ansprüchen. Die Übertragung lag bei Klaus-Jürgen Liedtke (*1950) und damit bei einem wahrlich nicht unbekannten Übersetzer (und Lyriker).

* auf Deutsch liegt nunmehr vor: Anders Olsson „men så oändligt lätt at svara dig/ aber so unendlich leicht, dir zu antworten“ mit Zeichnungen von Agnes Monus, ISBN 978-3-930754-73-1, 25.- €(aus dem Schwedischen übertragen von Verena Reichel, Münster 2013 bei Kleinheinrich)
** a.a.O. S. 35

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