Ein schnelles Leben.
Roman von Zoe Jenny
(2002, Aufbau).
Besprechung von Sacha Verna in der Stuttgarter Zeitung
vom 13.8.2002:
Gipfel
der Sehnsucht
Für Minderjährige: Zoë Jennys Roman
"Ein schnelles Leben"
Hier muss ein
Missverständnis vorliegen. Hoffentlich liegt hier ein Missverständnis vor. Denn wenn
hier kein Missverständnis vorliegt, dann wird tatsächlich von uns erwartet, dass wir
dieses Buch ernst nehmen. Und das wäre ungeheuerlich. "Ein schnelles Leben" ist
so seicht wie eine Regenpfütze und so sentimental wie das Seufzen von Céline Dion.
"Ein schnelles Leben" ist der neue Roman von Zoë Jenny und ideal für alle, die
nie darüber hinweggekommen sind, dass man ab einem gewissen Alter von den
Teenager-Romanzen aus dem "Bravo"-Geschichtenwettbewerb nicht mehr schwärmen
kann, ohne sich intellektuell zu disqualifizieren.
Zoë Jenny erzählt das traurige Abenteuer von Ayse und Christian. Die beiden sind
zusammen dreiunddreißig Jahre alt und erleben die Wonnen der ersten Liebe. Dummerweise
ist Ayse Türkin und wird von ihrem Bruder Zafir strengstens bewacht. Zafir gebietet:
keine Partys für Ayse, keine Privatsphäre für Ayse und schon gar keinen Christian für
Ayse. Stattdessen Probleme, Flucht und Tod der Liebenden in einer Gerölllawine. Dies
alles auf 165 Seiten und zu hundert Prozent ironiefrei.
Zoë Jenny schöpft das Reservoir der Jungmädchen-Klischees mit geradezu
bewundernswürdiger Vollständigkeit aus. Es gibt das blaue Buch, dem Ayse ihr Innerstes
anvertraut, den sensiblen, verständnisvollen Deutschlehrer, der Ayse zum Schreiben
animiert, und vom ersten Mal bleibt auf einem Teppich mit kämpfenden Leoparden der
obligate Blutfleck zurück...Fortsetzung
[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.stuttgarter-zeitung.de]
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