Ein
perfektes Leben.
Roman
von Leonardo Padura
(2003, Unionsverlag - Übertragung HansJoachim Hartstein).
Besprechung von Christiana Ulz aus Rezensionen-online
*bn*:
Ein verschwundener hoher Beamter stellt außer einem routinierten Ermittler auch die kubanische Ideologie vor eine Zerreißprobe. (DR)
Eine Bilderbuchkarriere, ja ein Bilderbuchleben wird dem leitenden Beamten des kubanischen Außenministeriums attestiert: Aus einfachen Arbeiterverhältnissen erringt er zahlreiche Preise während der Mittelschulzeit, ist Schulsprecher, steigt in der Partei und im Arbeitsleben bis zur Spitze auf, hat einen feudalen Wohnsitz und eine faszinierend schöne Frau. Eines Neujahrsmorgens ist er spurlos verschwunden. Teniente Mario Condé wird beauftragt, diesen politisch heiklen Fall so schnell wie möglich aufzuklären. Kein Problem für den routinierten Polizisten mit einem starken Hang zum Pessimismus und zur Grübelei, zum Selbstmitleid und zum Rum, zu intensiven Gefühlen und zu Verantwortungsbewusstsein, sollte man meinen. Wenn da nicht eine langjährige persönliche Verstrickung mit dem Vermissten und seiner Frau vorhanden wäre. In einem packenden Zusammenspiel von Gegenwart und Erinnerung, von gesellschaftlichen Zwängen und dem kreativen Ausleben persönlicher Grenzüberschreitungen, von aufeinander prallenden sozialen Gegensätzen und der betäubenden Flucht in den Alkoholismus gibt die sozialistisch-ideal eingefärbte Fassade einen schonungslosen Blick auf ihre morbiden Hinterhöfe und dunklen Kellerabteile frei. Ein Fall kann zu den Akten gelegt werden. Doch zahllose andere halten die Frustration wach. Lesern/innen, die mehr von einem Krimi erwarten als kurzfristige Unterhaltung, sehr zu empfehlen.
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