Ein Himmel auf Erde.
Gedichte von Barbara U.Schumann (2001, Wiesenburg-Verlag).
Besprechung von Erich Rückleben:

„Du und ich“
Liebesgedichte von Barbara U. Schumann. Notizen zu ihrem neuen Gedichtband „Ein Himmel auf der Erde“

Liebesgedichte - nur zu leicht gerät dieses Genre aus der Balance und neigt  dazu, die Substanz  der Sinngebung durch eine Sprache auszuhebeln, die das poetische Wort nur zu schnell in die Niederungen des Banalen und Trivialen wichtet. Dies aber nicht bei B. U. Schumann, die es souverän versteht, mit dem Mittel Sprache umzugehen und ebenso in Form und Gestus ihr Sprachdesign beherrscht. Durchgängig zeichnet sich ein Duktus ab, der sowohl im Kontext mit dem zu transportierenden Inhalt steht als auch für die Variable der Ausdrucksformen, die nur bei wenigen Gedichten durchbrochen werden. Der Erlebnisraum ihrer Gedichte reduziert sich zwar auf „Du und ich“, ist aber dennoch in seiner subjektiven Größe zwischen Himmel und Erde, zwischen Traum und Wirklichkeit, zwischen Gestern und Heute angesiedelt. Namentlich sind es Reminiszenzen, aber auch Ängste, Hoffnungen und Wünsche, die einen breiten Raum in den Texten der Autorin einnehmen und dem magischen Wort Liebe im Spannungsfeld zwischen „Du und ich“ Stimme geben. Im Hier und Heute, die Sehnsucht nach Gestern, Verlorenes beschwörend, aber dennoch bewusst die Gegenwart auslotend, wie es die Autorin in einem ihrer eindrucksvollsten Gedichte formuliert: „ Und / Wenn der Himmel / Wieder zu diesem / Blau aufbricht / Will ich mir / Auf den Grund gehen  /  Mit wachsamen Spaten / Mein Feld noch einmal / Umgraben von Disteln / Und Steinen befreien / Und bauen / Auf den Samen / Den einer noch streut / Mit gutwilligen Händen / Auf einen Acker der wieder / Blühendes Land wird / Und seine Früchte Nahrung werden läßt.“

Viele ihrer Gedichte sind unwiederbringlich geronnene Augenblicke, deren flüchtige Konsistenz die Autorin mit allen Mitteln festzuhalten versucht, um sie in ihrem imaginären Erlebnis- und Erinnerungsraum fließend und lebendig werden zu lassen. Euphorisch,  melancholisch bis hin zu jener Trauer um Verlorenes spannt die Autorin den Bogen ihrer Gefühle und Gedanken. Und so als wolle sie Feuer mit Wasser mischen, fühlen und denken, zischen und züngeln, glühen und erlöschen, belebt sie den Kosmos ihrer Gefühls- und Gedankenwelt.

Das gleichbleibende formale Grundschema gewöhnt den Leser schnell an einen Sprachgestus, der im Perspektivwechsel zwischen Wunsch und Wirklichkeit jene sprachliche Mitte findet, die sowohl metaphorisch als auch stilistisch überzeugt. Mit größter Sensibilität vermittelt die Autorin das Spektrum lyrisch poetischen Atems, getragen von leisen sanften Tönen bis hin zu jener Atemlosigkeit, der die befreiende Luft des Durchatmens folgt. Das „Du und ich“ will Eins-Sein, und wie die Autorin sagt: „Ich  höre so gern  / An meinem Ohr / Dein Herz / Ganz leise schlagen // Weil du mir sagst / Du hörst dann zwei /   In deinem immer ruhn.“ Aber die Autorin weiß sehr wohl, dass diesem „Immer“ Grenzen gesetzt sind, die sie dem Leser nicht vorenthält,  und ist mutig genug, sich diesen Dissonanzen zu stellen. In dem Gedicht „Späte Zeit“, reift die Erkenntnis: „Zur stilleren Zeit“, klärt sich der Himmel zu jenem Herbstblau, in dessen feinem Dunst die Konturen verschwimmen, jene Sicht von der Barbara U. Schumann in dem gleichen Gedicht spricht, wenn sie sagt: „Wo unser beider Scherenschnitte / vor dünneren Milchglasscheiben /  immer wieder sichtbar werden / Allmählich aber übergehn / Zu stillerem Leben.“

Indes dürfen aber auch leise Töne der Kritik erlaubt sein, Anmerkungen, die zwar nicht das Gesamtbild des Lyrikbandes stören, aber ausgesprochen sein wollen. In manchen Gedichten haben sich „Fremdworte“ eingeschlichen, sprich: unpassender Allerweltsjargon, der geradezu als Kontrapunkt zum lyrischen Vokabular der Autorin steht, und punktuell zur Entpoetisierung des Textes führt. Freilich beschädigen diese wenigen „Fremdworte“ nicht das, was die Autorin insgesamt zu bieten hat, und das ist viel, sehr viel; Liebeslyrik, die ihren   Namen im besten Sinne verdient.

Und wenn wir die hervorragende Ausstattung des Gedichtbandes, der im Wiesenburg Verlag  Schweinfurt erschienen ist, hinzu nehmen, dann sind insgesamt alle Erwartungen des Lesers erfüllt.

Leseprobe I Buchbestellung 0302 LYRIKwelt © Wiesenburg