Eine gute Schule von Richard Yates, 2012, DVAEine gute Schule.
Roman von Richard Yates, (2012, DVA - Übertragung Eike Schönfeld).
Besprechung von Peter Pisa im Kurier, Wien, 24.08.2012:

Richard Yates: "Gut gemacht, Dad!"
Anfang September erscheint "Eine gute Schule". Weltliteratur. Zu Lebzeiten hatte Richard Yates keinen Bestseller. Erst nach seinem Tod 1992.

Er war bloß exzellent. Das reicht selten.
Jahrzehnte schmerzte es den Amerikaner, dass das US-Magazin New Yorker seine Geschichte "The Canal" nicht abdruckte.

Erst 2001, da war Yates neun Jahre tot, ließen sich die Redakteure erweichen, und Sharon, die Jüngste der drei Töchter aus zwei gescheiterten Ehen, stieg in den Keller ihrer Wohnung, wo sie Vaters Asche in einer Schachtel aufbewahrt.

Sharon gab der Schachtel einen Schubs: "Gut gemacht, Dad!"

"Eine gute Schule" hat er sogar sehr gut gemacht: Der erstmals übersetzte Roman aus 1978 gehört zum Allerbesten aus seinem Werk ("Zeiten des Aufruhrs", "Easter­parade", "Elf Arten der Einsamkeit").

Er ist untypisch, weil er Hoffnung lässt – weil es damals für Richard Yates noch Hoffnung gab: "Eine gute Schule" klingt autobiografisch und ist es großteils.

Erste Zigarette

Es spielt die Mutter mit (sie kommt auch in anderen Büchern vor) und ihre Selbstlüge, eine große Bildhauerin zu sein – obwohl sie geschmacklose Gartenfiguren formte.

Es spielt der "Danny Boy"-singende Vater mit, geschieden zwar, doch rackerte er sich ab, damit sein Bub die Privatschule besuchen konnte.

Und die erste Zigarette wird angezündet, weil Yates in seinem armseligen Gewand wenigstens dadurch cool aussehen wollte ...

Vor seinem Tod übrigens standen in dem Loch, in dem er wohnte, nur ein Rollbett, eine Schreibmaschine, ein Klappsessel, viele Whiskeyflaschen – und eine Salatschüssel, übervoll mit ausgedrückten Zigaretten ...

Der fatalae Glaube an das Glück, Biografie über Richard Yates von Rainer Moritz, 2012, DVAEs ist ein feines Geschenk, gleich nach dem Roman Rainer Moritz’ erste deutschsprachige Yates-Biografie "Der fatale Glaube an das Glück" lesen zu dürfen .

Es ist ein schreckliches Geschenk, weil man erfährt, wie es weiterging mit Yates bzw. nicht mehr weiterging:

Zuletzt sah man den Schriftsteller im alten Mazda durchs öde Tuscaloosa (Alabama) fahren, rechts eine Zigarette, links das Sauerstoffgerät. E saugte abwechselnd, während er lenkte ...

Die "gute Schule", das war eine ohne Renommee. Yates’ Alter Ego Bill Grove war im ersten Jahr der Außenseiter, den die Kollegen zwangsmasturbierten (sagt man das so?).

Aber bald verging der Druck, Angst haben zu müssen bzw. gefallen zu wollen. Als Chefredakteur der Schulzeitung gewann er Ansehen und Gefallen am Schreiben.

Mit wenigen Worten werden Schicksale aus der Zeit vor Weltkriegsbeginn derart intensiv dargestellt, dass man meint, es mit alten Bekannte zutun zu haben.

Vor allem der einsame Weg des an Kinderlähmung leidenden Biologielehrers, dessen Frau recht ungeniert mit dem Französischlehrer schläft, geht unter die Haut und nicht mehr weg.

Wie der Behinderte versucht, sich aufzuhängen, es aber nicht schafft, den Tisch wegzutreten ("Nicht mal so ein einfaches Scheißding kriegst du hin") – Yates hat nichts mehr davon, aber das ist Weltliteratur.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.kurier.at]

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