Eine fast perfekte Affäre von Elizabeth Subercaseaux, 2010, PendoEine fast perfekte Affäre.
Roman von Elizabeth Subercaseaux (2010,
Pendo - Übertragung Maria Hoffmann-Dartevelle).
Besprechung von Liliane Zuuring in der WAZ vom 12.4.2008:

Ein Leben nach der Lüge
Die Ururenkelin von Robert und Clara Schumann erzählt, wie Menschen am mühsam polierten Schein leiden - und der sich so spannend liest wie ein Krimi.

Mit einem Mord endet eine Affäre, von der sechs Jahre lang niemand Wind bekommen hatte. Richter Rementería und die verheiratete Amalia machten keinen Fehler. Doch eines Tages offenbart sie dem Richter in Elisabeth Subercaseaux’ „Eine fast perfekte Affäre“, sich neu verliebt zu haben. Und macht aus dem Richtenden einen Mörder. „Er hatte auf sie geschossen wie jemand, der auf eine Tür schießt, auf eine Glasscheibe, auf eine Mauer. Nicht eine Sekunde war er dabei mit seinem Innern verbunden gewesen.“

Ein Journalist sieht, wie Rementería flüchtet – aber leider von der Wohnung seines Geliebten aus. Er schweigt aus Angst, dass seine Homosexualität öffentlich wird.

Die Ururenkelin von Robert und Clara Schumann, die in Chile lange als Journalistin im Untergrund arbeitete, zeigt, wie sehr ihre Figuren, die ihr Sein nicht zeigen dürfen, am mühsam polierten Schein leiden. Wie sie sich vor sich selbst rechtfertigen: Amalia zum Beispiel sieht die außereheliche Vergnügung als einen Raum, wo sie sich in einer anderen Dimension selbst begegnen kann. Ihre Freundin, die vermutet, dass Rementería Amalias geheimnnisvoller Geliebter war, und der Journalist versuchen, dem Richter sein Geheimnis zu entlocken. Das Taktieren gleicht einem Tanz auf glattem Parkett, bei dem alle drei ins Rutschen kommen, sich ihren Lebenslügen stellen müssen, die zerstört werden durch nicht kontrollierbare Leidenschaft, die sich brutal Geltung verschafft. Einfühlsam nähert sich Subercaseaux den Abgründen der drei Menschen, zeigt sie in ihrer Traurig- und Machtlosigkeit. Sie entlarvt mit poetisch eindringlicher Sprache das individuelle Leiden als eine Gesellschaftskrankheit. Ein Happy End kann es da nicht geben. Aber Hoffnung auf ein Leben nach der Lüge – für einige. Das alles verpackt wie ein Krimi lohnt die Lektüre.

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.waz.de]

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