Ein Balkon aus Papier.
Gedichte von Peter Härtling (2000, Kiepenheuer & Witsch).
Besprechung von Erika Schuster aus Rezensionen-online *Sz*, Mai 2001:

Ein Balkon ist ein luftiger Ort. Verankert in der sicheren Statik eines Hauses, doch zwischen Himmel und Erde schwebend, gibt er dem, der ihn betritt, das Gefühl von Freiheit und ermöglicht den Blick in die Weite. Peter Härtling blickt von einem besonderen Balkon. Sein Balkon, sein Schreibort, ist aus Papier. Von hier aus schweift sein Auge zu den Fluchtpunkten seines bisherigen Lebens. Nachdenklich schreibend tastet er sich in seinen Gedichten zu jenen Horizonten, die noch vor ihm liegen.... er wird mich aufnehmen, ein Kanal,/ ...und ich werde/ nicht gefaßt sein/ auf das,/ was nicht mehr ist./ Seine Wahrnehmungen zielen ins Weite, auch in die Tiefe, suchen eine erahnbare Grenze des Alters und des Todes zu überschreiten. An manchen Stellen verschwimmt der Horizont, beginnen sich die Konturen zwischen Erlebtem und noch zu Erwartendem aufzulösen. Ganz durchsichtig erscheinen alte Motive aus Melchingers Winterreise, aus dem Horizonttheater, aus dem Wanderer wieder, verknüpfen sich neu mit biographischen Anspielungen. Eine schon aus früheren Werken bekannte dunkle innere Bewegung drängt das lyrische Ich weiter.

Mit großer innerer Freiheit und spürbarer Gelöstheit entwirft Peter Härtling Bilder des Aufbruchs, des Abschieds, der letzten Reise. Es ist ein Zyklus stiller Gedichte, mit Musikalität und berührenden Metaphern geformt.

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