Ein anderer Ort.
Roman von Amos Oz (2001, Suhrkamp).
Besprechung von Klara Wilflinger aus Rezensionen-online *Sz*, Juli 2002:

Der Roman des bekannten israelischen Autors ist 1966 in Israel herausgekommen, aber erst heuer gibt es eine deutsche Ausgabe bei Suhrkamp. Vermutlich schien er für deutsche Leser zu wenig interessant. Was auch immer die Gründe waren - heute liest man den Roman auf jeden Fall auch als kulturgeschichtliches Dokument, was Interesse erwecken kann, dokumentiert er doch einen Wendezeit in der gesellschaftlichen Entwicklung in Israel; daneben bietet er dem Leser eine durchaus vergnügliche Anteilnahme an menschlich-allzumenschliche Problemen.

Um was geht es? Die Kinder der Gründerväter und -mütter, die als enge Gemeinschaft unter heroischem Einsatz das Kibbuz der feindlichen Umwelt abgetrotzt hatten, wachsen heran und stellen die Überzeugungen der Eltern in Frage. Konfliktherde bilden sich auch innerhalb der älteren Generation, in beiden spielen die Triebe als Verwirrer der Herzen ihre stets große Rolle. Den gepredigten Idealen steht die tatsächliche Lebensführung entgegen. Das politische Gründungspathos Israels besteht neben Lebensentwürfen nach den Werten von Leben und Leben-lassen, Freundschaft und Liebe.

Im Kreis der Personen spiegelt sich die innerjüdische Auseinandersetzung über das eigene Selbstverständnis als Individuum und als Staat wieder, ebenso der Gegensatz zwischen dem Diasporajudentum und den Israeli. Vom heutigen Israel gesehen, war es eine idyllische Zeit und der Optimismus ungebrochen.

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