Ebenholz von Rosa Yassin Hassan, 2010, AlawiEbenholz.
Roman von Rosa Yassin Hassan (2010, Alawi-Verlag - Übertragung
Riem Tisini).
Besprechung von kok in der Neue Zürcher Zeitung vom 24.6.2010:

Selbst ist die Frau

Zwischen den Schenkeln eines Dämons stirbt Umm Riemas Mann während des Geschlechtsverkehrs. Seine ergraute Leiche scheint sie zu verhöhnen, und sie schwört, nie wieder von Männern abhängig sein zu wollen. Im Syrien der siebziger Jahre erkämpft sie ihrer Tochter, Riema, das Recht, in eine Schule zu gehen – als einziges Mädchen. Riema wird vom Lehrer geschlagen und später von ihrem Traumprinzen geschwängert und betrogen. Erst Riemas Enkelin Mariam heiratet wieder aus Liebe, doch auch sie wird missbraucht. Die Frauen unterstützen sich gegenseitig und verstecken auch die Widerstandskämpferin Sanaa im Keller der Familie, als diese auf Hilfe angewiesen ist. – Von unterschiedlichen Strategien der Selbstbehauptung gegen die patriarchalische Männergesellschaft erzählt die Journalistin und Frauenrechtsaktivistin Rosa Yassin Hassan in ihrem Roman «Ebenholz». Viel wird von dem Text nicht übrig geblieben sein, als er vor sechs Jahren im Original erschien – sämtliche Passagen, die sich mit Sexualität beschäftigen, waren zensiert. Dennoch wurde der in einer kunstvoll aufgebrochenen Chronologie dargebotene Roman mit dem syrischen Literaturpreis ausgezeichnet. Der kleine Kölner Verlag Alawi veröffentlicht jetzt in einer schön gestalteten Ausgabe – mit Kalligrafie verziert und in Leinen gebunden – die vollständige Fassung dieses lesenswerten Buches. Eine von den Frauen von Generation zu Generation weitergereichte Truhe aus Ebenholz symbolisiert die Beständigkeit inmitten des raschen Wandels im nach Minze und Kardamom duftenden Syrien des 20. Jahrhunderts.

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