Dunkle Materie von Anev Shalev, 2007, BerlinDunkle Materie.
Roman von Anev Shalev (
2007, Berlin Verlag - Übertragung Mirjam Pressler und Eldad Stobezki).
Besprechung von Bettina Egbert aus der NRZ vom 21.01.2008:

Adam und Eva, eine Internet-Romanze
Vielleicht entspricht die Schöpfungsgeschichte jeder Liebe der Schöpfungsgeschichte der Welt, und das Verlieben ist jener Moment, in dem alle Gesetze aufhören...

Adam und Eva verdanken diesen Augenblick, dieses jähe Ende sämtlicher Reglementierungen einem Verkehrsunfall. Die Fahrt in eine Jerusalemer Klinik offenbart die knisternde Erotik zwischen dem verheirateten, in den USA beheimateten Diplomaten und der israelischen Studentin; virtuelle Verständigung ermöglicht den Fortbestand ihrer vermeintlich grenzenlosen Liebe.

Eine ebenso angstvoll wie sehnsüchtig erwartete Thanksgiving-Woche in einem New Yorker Hotel soll den Austausch jener Berührungen und Blicke ermöglichen, vor deren Übermittlung das Internet kapitulieren musste. Doch alles kommt anders, denn das

Betonwüsten-tête-à-tête bildet nicht nur in landschaftlicher Hinsicht einen scharfen Kontrast zu den romantischen Treffen zwischen den Olivenhainen und Steinhäusern Jerusalems. Plötzlich werden Worte auf die Goldwaage gelegt, jeden Moment droht das endgültige Beziehungs-Aus. Diese Unbeständigkeit weckt in Adam die Sehnsucht nach einem bequemen Routinewochenende mit Ehefrau Ruth: Keine Irritationen und unerwarteten Wendungen; gefüllter Truthahn im Kreise der Familie statt Cracker und verdorbene Milch im Nasszellenarrest des Hotels am Washington Square.

Aner Shalevs Roman "Dunkle Materie" besteht einerseits aus Kapiteln, die die Romangegenwart der New Yorker Zusammenkunft aus Adams Blickwinkel schildern andererseits aus Internetbotschaften, die sich als Evas verschriftlichtes Innenleben lesen lassen. Berichte über ihre Arbeit und ihre Familie geben Aufschluss über die Identität der gebürtigen St. Petersburgerin, die zwei Jahre zuvor nach Israel auswanderte. Während die Astrophysikerin für den Fortschritt der Wissenschaft etwas Revolutionäres fordert und Unwissenheit als mögliche Tugend propagiert, lassen ihre Nachrichten keinen Raum für Spekulationen.

Angst vor der Trennung

"Wer jetzt kein Haus baut, baut keines mehr, wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben." Worte, die ihre Frustration über die Unmöglichkeit einer Symbiose und die Angst vor einer Trennung spiegeln. Immer deutlicher offenbart sich eine fehlende Symmetrie, die in den unterschiedlichen Lebenssituationen und Erwartungen der Protagonisten fußt: Adam, gut situiert, ein geübter Ehebrecher - Eva eine fragile, zwanzig Jahre jüngere Studentin. Zwei aus dem Paradies Vertriebene, die ihre Unschuld verloren noch bevor sie den Washington Square mit einem rotbackigen Apfel im Mund überquerten. Wie ihre biblischen Vorfahren konnten sie der Versuchung nicht widerstehen... (NRZ)

[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.nrz.de]

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