Du mit deinem leisen Lächeln von Werner Bucher, 2007, WaldgutDu mit deinem leisen Lächeln.
Gedichte von Werner Bucher (2007, Waldgut-Verlag).
Besprechung von Beatrice Eichmann-Leutenegger in Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2007:

Kein Verrat der Träume
Liebesgedichte von Werner Bucher

Hier spricht kein lauer Typ, der rasch zum Weichzeichner greift, sondern ein lyrisches Ich mit kraftvollem Gestus, bald wütend, bald begeistert, oft poetisch-zart, dann wieder ungeschlacht. Seufzen und Staunen werden rückhaltlos zugelassen – «oh ja» heisst es immer wieder einmal zu Beginn oder am Ende einer Aussage. Werner Bucher erweist sich als ein Poltergeist mit Herz, der auch mit bald siebzig Jahren keinen Verrat an seinen Träumen begehen will. In seinem neuen Gedichtband hat er Liebesgedichte der letzten dreissig Jahre versammelt: solche, die bis ins Jahr 1974 zurückreichen, aber auch eine Anzahl neuer und bis anhin unveröffentlichter Verse. «Hundwiler Höhi» entpuppt sich dabei als lyrische Trouvaille, als Hymnus auf einen appenzellischen Hügel, der wie ein Frauenkörper gepriesen wird.

«. . . Wenn / du zu lachen beginnst, wird die Welt in Windeseile / ihre verwaschenen Farben verlieren / und ein Blau wird sein, wie / es kein Dichter je beschrieben hat. Das reicht, adelt / den Schmutz, die verdreckten und lausigen Autos / und unsere vom Leben aufgebrauchten Körper. Wir sind / (vorderhand) nicht in Teufels Hand», steht hier auf dem Papier. Ein Vorwärtsdrängen bestimmt diese Zeilen, in denen eine überhöhte Wirklichkeit unmittelbar neben der tristen Realität steht. Doch der Glanz, der einbricht, siegt über alltägliches Elend und verschönert auch die Geliebten, diese oftmals «vom Leben Verletzten». Bucher fügt diese unterschiedlichen Lebenswelten zusammen. Es kann bei ihm sogar geschehen, dass wir «von einer Sekunde zur nächsten / ins Geheiligte gestürzt» sind, «ohne es zu wissen». Einmal sagt er unmissverständlich: «. . . Erkenn es, du / Spurensucherin, aufgewachsen / im Mief der Killer & Trottoirscheisser, ein / Stern wartet, der nie erlischt». Lesend begegnet man hier einem Menschen, der ohne Umschweife erwartet, «dass mein Hund endlich fliegen lernt». Wer in diesen Zeiten der Erwartung Buchers Gedichte liest, diese kleinen Offenbarungen der Befreiung und Erlösung, kann sich manche mittelmässige Weihnachtspredigt sparen.

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