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1.) - 2.)
Drahtamseln.
Gedichte von Matthias
Kehle (2007, Rimbaud).
Besprechung von B.En.
in Neue
Zürcher Zeitung vom 2.06.2007:
Ein Hase im Kauderwelsch
B. En. Da zeigt einer seine Vorliebe für jene, die in den hinteren Reihen des Lebens stehen – für die Lückenbüsser, den Bahnwärter, die Angsthasen oder die Verkäuferin in der Parfumabteilung. Zudem wendet sich Matthias Kehle einer ausgestorbenen Spezies zu, die in keinem ornithologischen Fachwerk mehr verzeichnet ist: den «Drahtamseln», nämlich den Telefonistinnen, die einst die technischen Verbindungen per Hand hergestellt haben. Der in Karlsruhe lebende Autor und Kritiker amüsiert nicht selten mit seinem Sinn für Komik und Wortwitz. Ein falscher Hase hoppelt bei ihm durchs Kauderwelsch, Enten melden sich mit Konsonantengestöber. In reizvollen Zeilenbrüchen, welche die Bedeutungen sacht verschieben, arrangiert Kehle seine kurzen Gedichte und siedelt sie manchmal an jener Grenzlinie an, wo das Unspektakuläre auf das Besondere treffen kann. Doch zumeist wirft er ruhige Blicke auf ebenso ruhige Vorkommnisse. Er zeichnet Szenen eines ländlichen Lebens im Abseits, beschwört etwa die Einsamkeit des Hochschwarzwalds oder einen Rastplatz Anfang März. Aber auch Momente der städtischen Topografie mit Kaufhaus, Haltestelle, Stadtgarten und Fussgängerzone greift er auf. Lapidare Notizen entstehen bei dieser lyrischen Inventarisierung, verhalten im Ton und fern jeder Üppigkeit. Bisweilen richten sich die Gedichtzeilen an ein Du, das aber im Zustand des Schwebens zugleich als Ich begriffen werden kann. Genau hinhören, aufmerksam hinblicken und dabei auch die «Lesarten des Rückwegs» bedenken – das führen Matthias Kehles Gedichte unaufdringlich vor.
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Leseprobe I Buchbestellung 0707 LYRIKwelt © NZZ
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2.)
Drahtamseln.
Gedichte von Matthias
Kehle (2007, Rimbaud).
Besprechung von Christoph Pollmann aus dem titel-magazin
vom 2007:
Leise Entzündungen
Es sind Näherungsbewegungen,
Erkundungsgänge soweit man den Worten traut, zu denen uns Matthias Kehle in
seinem neuen Gedichtband Drahtamseln einlädt. Ein schweigendes
DU scheint immer anwesend – und sei es der Leser...
Die 64 Seiten des vorliegenden Bandes sind in
vier Sektionen unterteilt: Testgelände fürs letzte Jahrhundert, Sprayer
mit Tarnkappe, Vereinzelte Stimmen und Drahtamseln.
Obschon alle Teile durch einen spezifischen Ton zusammengehalten werden –
immer leise Signatur und nie Brandzeichen – so fällt der zweite Teil doch
etwas ab. Man mag, ob der Nähe zu den anderen Teilen, zuerst gar nicht sagen,
was hier den Unterschied ausmacht, doch dann ist es ganz einfach: Liest man
diese Gedichte öfters, so werden sie quasi zu nichts zerrieben. Bei den anderen
jedoch stellt sich das Gefühl von "Wundheit" immer wieder ein. Sollte
man es an ihrer Welthaltigkeit festmachen? Wohl kaum, dann wären die Gedichte
aus Sprayer mit Tarnkappe nämlich die griffigsten. Es liegt wohl eher
an einer inneren Evidenz, an lyrischer „Gefühlsechtheit“ und einem
notwendigen So-geschrieben-sein-Müssen, als ob hier Kunst und Welt, wie von
einer Drahtamsel „zusammengesteckt“, einen kleinen Plausch hielten...
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