Divisadero von Michael Ondaatje, 2007, Hanser1.) - 3.)

Divisadero.
Roman von Michael Ondaatje (2007, Hanser - Übertragung Melanie Walz).
Besprechung von Ulrich Steinmetzger aus der NRZ vom 24.08.2007:

Nach dem Goldrausch
Was für ein Buch! - "Divisadero", der neue Roman von Michael Oondatje.

Hinterher fragt man sich wie immer bei Michael Ondaatje, warum man einen so experimentellen Roman mit solcher Leichtigkeit lesen konnte. Spätestens seit sein Kriegs-Kammerspiel um den englischen Patienten in die Kinos fand, wird der in Toronto lebende Autor holländisch-tamilisch-singhalesischer Herkunft für die Fähigkeit bewundert, so etwas hervorzubringen. Nie erzählt da einer einfach nur Geschichten, er jongliert mit ihren Elementen, er stapelt Stoffe, Episoden und Beobachtungen. Das springt durch Zeiten und Orte, ist pathetisch, sentimental und vertrackt, dass es blitzt wie die Glasstückchen eines Kaleidoskops. Und so leuchten auch seine Bilder. Manchmal mit nur zwei, drei Sätzen.

Unsere Leben sind von Zufällen bestimm. Es gibt keine allzeit gültige Linie, sondern viele Details, die sich addieren. Diese in poetischer Arbeit mit enormen Sprüngen und Leerstellen so mit Bedeutung aufzuladen, dass sie für das Großeganze stehen, ist Ondaatjes Markenzeichen. Es ist, als wären seine Bücher ganz nah an der Musik, fast so, als schmeichelten sie sich ein jenseits der Worte. Kaum einer seiner Romane macht dieses Prinzip so sinnfällig wie sein jüngster.

Wenn es das gibt, ist "Divisadero" ein kubistischer Roman, der das Eindimensionale aufhebelt zugunsten eines stimmigen, stimmungsvollen Überrealismus. Wir lesen von Leuten, die verletzt wurden, als sie sich verliebten. Augenblicke von Gewalt haben alle deformiert: den Einzelgänger Cooper, den sein Ziehvater fast totschlug, als er ihn im Bett mit Anna überraschte. Anna, die daraufhin ihrem Vater eine Glasscherbe in den Rücken rammte. Die gehbehinderte Adoptivschwester Claire, die in diesen Minuten vieles verlor.

Kaum mehr als ein Augenblick war es, der ein kalifornisches Farmfamilienleben für immer durchtrennte. Anna wird Cooper nie wiedersehen, und als Claire ihm über ein Jahrzehnt später das Leben rettet, ist jeder von ihnen ein ganz anderer. Die mögliche Geschwisteridylle eines Waisentrios ist unwiederbringlich zerstört. Genau wie das Goldsucherparadies 60 Meilen von San Francisco, wo eine Straße namens Divisadero die Stadt von ihrem Umland trennt.

Trennung, Teilung, Einsamkeit, Rückzug, Bindungslosigkeit, Fremdheit, Anonymität, Enttäuschung sind Signalworte dieses Buches der schnellen Schnitte. Jahrzehnte später ist Cooper ein begnadeter Falschspieler, Claire eine verbissene Anwaltsgehilfin und Anna eine dem Autor ähnelnde Literaturwissenschaftlerin, die sich nach dem Berkeley-Abschluss ans andere Ende der Welt in die Gascogne zurückgezogen hat. Was für ein Buch! Krimi Noir, Lovestory, Cowboy-Epos, ironische Hippie-Mär, historischer Roman, aktuelles Antikriegsdrama, poetischer Gegenentwurf und vor allem ein Kunststück, das unsere Gegenwart transzendiert. (NRZ)

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Divisadero von Michael Ondaatje, 2007, Hanser2.)

Divisadero.
Roman von Michael Ondaatje (2007, Hanser - Übertragung Melanie Walz).
Besprechung von Michael Schleicher im Münchner Merkur, 31.8.2007:

Mit "Divisadero" erweist sich Michael Ondaatje erneut als großartiger Erzähler

Da sind sie wieder, die Außenseiter, jene scheinbar von der Welt vergessenen Menschen, und - um es gleich zu sagen - gerne folgt man Michael Ondaatje in diese, ihre Geschichte, die gewaltig, bilderreich und sinnesvoll ist. Wie bei seinem bislang größten Erfolg, „Der englische Patient”, dessen Verfilmung zwar neun Oscars gewann und dennoch in keiner Sekunde an Sprache und Gefühl des Romans heranreichte, wählte sich Ondaatje wiederum Protagonisten, die im Prinzip derart normal sind, dass sie kaum zum Helden taugen.

In „Divisadero” sind das Anna, deren Mutter bei ihrer Geburt gestorben ist; Claire, deren Mutter ebenfalls bei ihrer Geburt im selben Krankenhaus starb und die von Annas Vater adoptiert wurde. Und Cooper, dessen Eltern ermordet wurden und der seitdem auf der Farm von Annas Vater lebt, ihm als eine Art Knecht zur Hand geht. So weit, so idyllisch-tragisch.

Diese Vorgeschichte handelt Ondaatje auf wenigen Seiten ab, erzählt, wie die Geschwister, die keine Blutsbande verbinden, heranwachsen, wie Anna und Cooper beginnen, ihre gemeinsame Liebe zu entdecken. Die Welt dieser Patchwork-Familie bricht brutal auseinander, als der Vater seine Tochter beim Liebesspiel mit Cooper erwischt. In einem wahnwitzigen Wutanfall - furios bis zur Atemlosigkeit geschildert von Ondaatje - schlägt er seinen Ziehsohn halb tot, bringt Anna weg von der Farm. Auch Adoptivtochter Claire wird hier nicht mehr lange bleiben, sie ist jedoch die Einzige, die den Kontakt zum Vater nicht komplett abreißen lassen will.

Der Autor treibt seine Figuren, heimatlos, ohne Kontakt zu den familiären Wurzeln, nun durch die Geschichte, schildert ihr Leben, ohne allzu oft vom Verlust zu sprechen. Und doch ist dieser allgegenwärtig.

Sieben Jahre hat Michael Ondaatje sich für diesen Roman Zeit gelassen, seit „Anils Geist” sind auf Deutsch lediglich Gedichte („Handschrift”, 2001) und seine Gespräche mit dem Cutter Walter Murch über „Die Kunst des Filmschnitts” (2005) veröffentlicht worden. Mit „Divisadero” beweist Michael Ondaatje nun einmal mehr, welch großartiger Erzähler, welch ein Geschichtenerfinder er ist.

In Tonfall und Stil ist dieser Autor wunderbar wandelbar, hat in den vergangen Jahren vieles gezeigt: Fast traumtänzerisch erzählte er sich durch den „Englischen Patienten”, warf dagegen dem Leser die Geschichte von „Buddy Boldens Blues” ins Gesicht und zimmerte aus zahlreichen Quellen und Formen „Die gesammelten Werke von Billy the Kid” zusammen. Jedes Buch für sich eine eigene Welt, jedes in sich stimmig.

Jetzt, den neuen Roman schreibt Ondaatje fast schon eingängig, schlägt kaum Satzkapriolen, reduziert die Perspektivwechsel - bleibt seiner schriftstellerischen Entwicklung, die in Veränderung besteht, also treu. Doch „eingängig” meint niemals langweilig oder flach, dafür ist sein Niveau schlicht zu hoch.

Die Geschichte treibt Ondaatje konsequent dem Finale entgegen - um kurz davor abzubrechen. Er weigert sich einfach zu berichten, wie es mit Anna, Claire und Cooper weitergeht, ob es eine Versöhnung mit dem Vater geben wird - und das, obwohl er alles genau dafür vorbereitet hat. Scheinbar.

Stattdessen beginnt Ondaatje, aus dem Leben des französischen Schriftstellers Lucien Segura zu erzählen. In dessen Haus wohnt zwischenzeitlich Anna, die sich der Erforschung von Leben und Werk des Autors verschrieben hat.

Und hier im zweiten Teil von „Divisadero” - wenn sich die Enttäuschung über das fehlende Ende der ersten Geschichte gelegt hat - zeigt sich das ganze Können Ondaatjes: In der Figur Lucien Seguras nämlich spiegeln sich alle Charaktere des Buchs, hier finden sich Züge des Vaters und Coopers, Annas und Claires. Und je mehr über Segura zu erfahren ist, desto klarer zeichnet sich die Lösung des Konflikts zwischen dem Vater und seinen drei Kindern ab.

Zu Beginn stehen drei Außenseiter, drei Kinder, denen das Schicksal übel mitspielte. Am Ende ist „Divisadero” vor allem Annas Geschichte, die in einer Straße lebt, die eben so hieß. Einmal erläutert sie die Genese des Namens, der entweder vom spanischen „división” komme, was „Trennung” bedeutet, oder von „divisar”, einer Stelle also, „von der aus man weit in die Ferne sehen kann”. Es trifft beides zu.

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Divisadero von Michael Ondaatje, 2007, Hanser3.)

Divisadero.
Roman von Michael Ondaatje (2007, Hanser - Übertragung Melanie Walz).
Besprechung von Judith Kuckart in der Neue Zürcher Zeitung vom 4.11.2007:

Wenn Liebende auseinandergeprügelt werden
Mit Büchern wie «Der englische Patient» hat Michael Ondaatje ein Millionenpublikum gewonnen. In «Divisadero», der Geschichte von drei Waisenkindern, begeistert er mit der Schönheit seiner Sprache

So steht es im Buch: Im Norden Kaliforniens auf einer Landstrasse bei Nicasio liegt ein Farmhaus, das man im Film oder im Traum schon einmal gesehen haben mag. Der Farmer kommt mit der neugeborenen Tochter Anna allein aus dem Krankenhaus zurück. Seine Frau ist im Kindbett gestorben wie die Mutter der kleinen Claire. Also hat er Claire, den Wechselbalg, auch gleich mitgenommen.
Jetzt ist er Witwer mit drei Kindern, denn daheim wartet noch der Nachbarssohn Cooper, Vollwaise. Er war vier, als er als Einziger ein Gewaltverbrechen überlebte, das seine Familie auslöschte. Er wird noch ein paarmal überleben müssen. Beim ersten Mal werden es die Schläge des alten Farmers sein. Später wird es eine Gang von professionellen Spielern sein, die ihm das´Gedächtnis aus dem Kopf schlägt, so dass er nur noch weiss, wie man Auto fährt. Und noch viel später, wenn wir als Leser nicht mehr bei ihm sind, wird er wohl eines ähnlich gewaltsamen Todes sterben. So steht es im Buch, auch wenn es nicht drinsteht.
Alle Geschichten, die in «Divisadero» erzählt werden, gehören irgendwie zusammen. Was diese Welten in ihrem Innersten zusammenhält, ist die Schönheit von Michael Ondaatjes Sprache. Sie ist so kräftig und schön wie das Gesicht von Cooper, in das sich seine Schwester Anna verliebt, die nicht seine richtige Schwester ist. Coopers Gesicht hat auf Fotos keine deutlichen Züge, keine Physiognomie, die Ondaatje in feste Sätze gefasst hätte. Cooper bleibt ein schemenhaftes Spiegelbild im Fensterglas oder ein Schatten auf dem Rasen.
So ist es auch mit Ondaatjes Sprache.
Die Geschwister Anna und Cooper, die mit Claire zusammen ein dreiteiliger «Paravent» sind, jeder für sich eine Einheit, doch mit den anderen beiden zusammen ein Ding voller Überraschungen und Schattierungen, diese drei erwischt der Alte bei der Liebe.
Er ist kein moderner, kein zärtlicher, aber ein schützender Vater. Nur im Niemandsland zwischen Müdigkeit und Einschlafen hat er manchmal am Abend die drei, als sie noch klein waren, an sich gedrückt. Da lagen sie wie Hündchen auf seinem karierten Hemd. Was zwischen den Menschen und ihrem Zuviel an frühen Verletzungen passiert, erzählen die Körper, die sich in einer Notgemeinschaft zusammengeschlossen haben und denen Ondaatje auch seine Sprache gibt. Eine Begleitung aus Wörtern, die den Leser näher an das Geheimnis bringt.

Montagearbeit am Selbst

Eines Tages schlägt die Vertrautheit zwischen den Geschwistern um in Liebe, schneller als sie es selber bemerken. Schuld ist der warme Regen. Es regnet, als Anna Cooper in seiner Rückzugshütte auf dem Berggrat, den man von der Farm aus gerade noch sieht, besuchen
geht. Der Regen macht melancholisch und weckt die schmerzliche Lust auf Liebe, die einen anfällt, wenn Glücklichseinwollen und Traurigseinmüssen streiten, bis man selber nicht mehr Mensch ist, sondern Wetter. Als der Alte die beiden erwischt, schlägt er Cooper die Seele taub, den Körper fast tot, und Anna rammt dem rasenden Vatertier eine Glasscherbe tief in den Rücken, was ihm für immer das Herz bricht.
Die Szene ist anderthalb Seiten kurz, sie hat mich verschreckt, aber ebenso mit Anna, Cooper, Claire und dem Alten für den Rest des Buches verbunden. Man möchte mit ihnen bis zur letzten Seite und noch weiter gehen. Doch während Ondaatje seine Geschichte Divisadero – was auf Spanisch «getrennt sein» und «aus der Ferne betrachtet» heisst – fortschreibt, verliere ich die eine oder andere Figur aus den Augen. Er lässt die frühen Fäden fallen und springt hinein in eine andere Geschichte, hinüber nach Frankreich, zu anderen Schicksalen.
Mir ist schon klar, so eine Komposition, die diese biografische Wehmut bei mir anrichten kann, schreibt sich nicht schlicht an einem Strang entlang fort, sie will Schicksal einholen und muss Roman Mit Büchern wie «Der englische Patient» hat Michael Ondaatje ein Millionenpublikum gewonnen. In «Divisadero», der Geschichte von drei Waisenkindern, begeistert er mit der Schönheit seiner Sprache
Wenn Liebende auseinandergeprügelt werden sich dafür der Sprache ausliefern; sie muss kurze Momente, die aufblitzen und absehbar noch nirgendwohin gehören, dafür aber um so kostbarer sind, zulassen und hinschreiben. Sie werden schon zu etwas führen.
Schon klar, das Netz ist dicht, und will man nur einigermassen einen Eindruck von seiner Dichte erfassen, muss man mit jedem Satz, in dem es um etwas geht, sagen: Es geht auch um etwas anderes. Nach jedem Komma wartet die nächste Überraschung. Trotzdem, ich habe erst Anna und dann Cooper vermisst, während ich weiterlas. Als ich Anna wiedertraf, war sie längst Literaturwissenschafterin im ländlichen Frankreich geworden. Da hatte ich ihre Melodie verloren. Ich erkannte Anna nicht gleich. War aus dem faszinierenden Mädchen eine langweilige Frau geworden? War sie nicht doch Claire?
Nachdem der Alte die Liebenden Cooper und Anna auseinandergeprügelt und so aus der wichtigsten Zeit ihres Lebens vertrieben hatte, floh Anna, um viele Jahre später in der Gegend von Toulouse und auf den Spuren eines Dichters namens Lucien Segura, berühmt zu Beginn des vorigen Jahrhunderts, anzukommen, wo sie dessen Lebensspuren zu einem Bild zusammenschiebt und bei dieser Montagearbeit sich selber ausbessert. Sie befragt sich selber, ohne laut Antwort zu geben, bis eines Tages ein nächster Mann über die Wiese herüber in ihre Einsamkeit
hineingeschlendert kommt. Rafael ist ein Sänger, ein Zigeuner mit Kräutern in den Hosentaschen. Er fängt an zu erzählen. Sie fängt an zu erzählen. Erzählen heilt. Wie beim Schneiden eines Films entwickelt sich die eigentliche Eloquenz dieser Geschichte im Schnitt.

Verzaubernd

Lege ich das Buch weg, schneide ich mir das Gelesene noch einmal neu zusammen, ermutigt von der Haltung das Autors, dass sowieso alles anders kommt, im Leben, im Buch, bei Anna, beim Sänger.
Bei allen. Alle leben so. Wie Anna und Rafael einander davon erzählen, ist es dem Leben angemessen. Es ist das Erzählen der Liebenden, die sie alle Liebenden es tun – im Dunkeln das Dunkel neu zusammenkleben lässt. An den Schnittstellen, wo Anna und Rafael Verletzungen wie Filmschnipsel erzählend aneinanderdrücken, finden auch vergangene Lieben wieder statt. Cooper ist auch geflohen und ewig auf der Flucht geblieben, als Falschspieler, der mit dem Glück und mit Gott beim Pokern hadert. Unsichtbar begleitet ihn auf dieser Irrfahrt der Alte, der
ihn so zurechtschlug. Denn nicht nur das Herz Annas, auch das versteinerte des Alten ist in Cooper mit aufgehoben.
Jeder Mensch ist er selber und der, der er nicht geworden ist, und dazu noch all die anderen, die im Lauf seines Lebens bei ihm eingezogen sind. So steht es im Buch. Diese menschliche Ambivalenz, diese ständige Unsicherheit, wer das wohl heute ist, der einem da mit dem
Gesicht von gestern begegnet, macht ein Buch wie «Divisadero» so spannend. Es verzaubert.

Choreograph der Gefühle

Wer fragt da noch nach der Geschichte? Ich frage nach ihr. Ich frage nach Claire. Sie bleibt in der Nähe des Alten, vor dem die anderen beiden flohen. Sie lernt etwas Vernünftiges, aber lernt es nicht, vernünftig mit jenem Moment umzu gehen, an dem ihre herkunftslose, aber einander so zugewandte Familie zerbrach. Einmal noch trifft sie Cooper zufällig wieder. Beide sind sie auf Geschäftsreise, er in Richtung Abgrund.
Er verwechselt sie mit Anna. Das ist früher oft und nicht nur ihm passiert. Denn auch der Leser hört, während er
Claire begleitet, die Stimme Annas mit, die den Anfang des Romans in der Ichform erzählt, um wenige Seiten später an einen Erzähler zu übergeben, der ihren Ton übernimmt und mit den beiden Schwestern gemeinsam Cooper beobachtet. Er bleibt mit seiner erzählenden
Kamera so dicht an dem Knaben dran wie die Mädchen mit ihren Herzen.
Vielleicht ist es aber auch doch wieder Anna, die hinter der Erzählkamera steckt, welche ihren Standpunkt hat in der Strasse, die Divisadero heisst, da, wo Anna wohnt.
Michael Ondaatje, der Autor von preisgekrönten Romanen wie «Der englische Patient», «Buddy Boldens Blues» oder «Anils Geist», ist ein Stimmen-Arrangeur, ein Bildermaler, ein Choreograph der Gefühle. Er liebt den Jazz. Unsentimental und mit viel Kraft setzt er seine Stofffülle in einem eigenen Zeit-Raum-Schema zusammen, bis Sequenzen sich einschreiben, als seien sie ein Stück von einem selbst, das man
noch nicht gelebt hat.
Längst habe ich begriffen, ich muss mich hinsetzen und das Buch noch einmal lesen, wenn ich Anna und Cooper wieder treffen will. Ihre Liebe ist bis zu letzten Seite da. Sie ist da in der Form. So steht es im Buch. ..

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