Die Zigarette von Cristina Perri Rossi, 2004, BerenbergDie Zigarette.
Leben mit einer verführerischen Geliebten von Cristina Perri Rossi (2004, Berenberg Verlag - Übertragung Sabine Giersberg).
Besprechung von rox in Neue Züricher Zeitung vom 24.12.2004:

Geliebte, rauchend

rox. Es war an einem Abend im Herbst 1951, als ein damals gerade zehnjähriges Mädchen in Montevideo das erste Mal - was wohl: eine Frau eine Zigarette rauchen sah. «Ich wartete mit meiner Mutter an einer Strassenecke im Zentrum, 18 de Julio und Ejido, auf den Bus. Schräg gegenüber erhob sich, wie in den faszinierenden Bildern von Richard Estes, dem amerikanischen Hyperrealisten, der obsessiv die 42. Strasse von New York malt, eine riesige Café-Bar mit Glaswänden: das ‹Grand Palace›. Und dort hinter den Glaswänden sass an einem Marmortisch eine mit einer Hose bekleidete Frau von etwa dreissig Jahren, die Kaffee trank und rauchte.» Ein halbes Jahrhundert nach dieser Initialbegegnung hat sich Cristina Perri Rossi hingesetzt und der Zigarette, die mittlerzeit längst zu ihrem eigenen Laster geworden war, ein Buch gewidmet, das fast so etwas wie eine Liebeserklärung ist. Auch entwöhnte Ex-Raucher und -Raucherinnen werden diesem melancholischen Abgesang auf die rauchende Begleiterin ihr Herz öffnen können. «Quando fumar era un placer» - so viel Spanisch versteht jeder. Und so viel Englisch auch, um aus der Kapitelüberschrift «The long Goodbye» den nicht ganz schmerzlosen Abschied von der einstmaligen Geliebten herauszuhören.

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