Die Welt hinter Dukla.
Roman von Andrzej Stasiuk (2000, Suhrkamp - Übertragung
Olaf Kühl).
Besprechung von
Aga Gregorczuk, literaria.org:

Die Welt als Aquarium

Ein Buch, daß hauptsächlich aus Beschreibungen besteht. Obwohl der Erzähler dem Leser schon im dritten Satz androht, dass „die Erzählung keine Handlung haben sollte“, tut man die Aussage als reine Koketterie ab und wartet, wie üblich, auf den ersten Dialog. Doch aus dem Warten wird nicht viel. Entweder gibt man nach 20 Seiten auf (weil die „polnische Literatur“ schon wieder zu weltfremd erscheint), oder man liest weiter, um vielleicht plötzlich zu entdecken, daß die tausend und eine Beschreibung einer Kleinstadt in Südpolen namens Dukla ebensogut zu Fürstenwalde passen würde. Denn das neue Buch von Andrzej Stasiuk ist hauptsächlich die Beschreibung eines inneren Mikrokosmos´, den viele von uns in sich tragen, ohne davon zu ahnen. Die Stimmung der verschlafenen Kleinstadt spiegelt die Abwesenheit eines Helden der Geschichte wider; einer Geschichte, die im klassischen Sinne keine ist. Denn Die Welt hinter Dukla ist der Versuch, eine Geschichte ohne Handlung zu erzählen. Durch die Gegenüberstellung von Vulgarität und Prosapoesie, Distanz und Subjektivität gewinnt Dukla an seiner Dynamik. Und ohne es zu bemerken, taucht man in den Rhythmus der Erzählung ein. Die Welt hinter Dukla ist wie eine langsame Fahrt durch ein merkwürdiges Städtchen, von dem aus die Wege nur noch nach Nirgendwo führen. Oder wie die Betrachtung eines Aquariums, dessen inneres Leben nicht durch Geräusche, sondern durch reine Bewegung der Fische übermittelt wird. Von der magischen Anziehungskraft der Kleinstadt namens Dukla getrieben, übernimmt der Autor – wie Tarkowskij in Stalker – eine poetische Expedition in die eigene Seele. Die Stadt fordert ihn zu der Abrechnung mit seiner Vergangenheit heraus.


[...diese und weitere Besprechungen finden Sie unter www.literaria.org]

Leseprobe I Buchbestellung 0901 LYRIKwelt © literaria.org